Die Stadtparlamente müssen für ihre Bürger schneller reagieren, um Qualitäten zu sichern.
Die Digitalisierung verändert deutsche Städte gegen den Wunsch von Politik und Bewohnern.

Den Verkehrsfluss lenken Vorgaben von Euro-Klassifikationen und Fahrverboten. Schäden auf Straßen werden digital aufgezeigt. DHL erspart den Einkauf für den täglichen Bedarf. Getränke und Speisen kommen nach Hause. Es fragt sich, ob das im Sinne der Städte und ihrer Bürger ist. Genügt das Argument der Bequemlichkeit für Gleichgültigkeit? Die digitale Zukunft unserer Städte kann für die Bewohner Herausforderung sein. Welche Chancen und Risiken damit verbunden sind, steht dahin (vgl. Rabe, J., Professor für Urbane Resilienz und Digitalisierung  – Einstein Zentrum „Digitale Zukunft“ Berlin – 2018).

Unter Resilienz wird die Fähigkeit von Menschen verstanden, Krisen im Lebenszyklus unter Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen zu meistern und als Anlass für Entwicklung zu nutzen (Enderlin, W.) Resilienz ist ein Fachbegriff aus der Psychologie, Geht es uns oder unseren Städten so schlecht? In Deutschland wird Resilienz mit der Überwindung von Schocks und dem Katastrophenschutz gleichgestellt. International ist das anders. Dort meint Resilienz auch, wie auf Probleme vorbereitet reagiert wird.

Beispiele für die Probleme unserer Städte

Bei Berichten über Katastrophen sind Schocks durch Waldbrände oder Sturmfluten aus der Presse „geläufig“. In Betrachtungen zur urbanen Resilienz werden Krisen als Wandlungsprozesse erfasst. Wohnungskrisen treten auf, wenn Bürger in zentraler Lage der Städte über lange Zeit keine Erfolge bei der Suche nach einer Bleibe haben. Für  Gewerbeimmobilien gibt es  in  Städten Süddeutschlands weniger Angebote als bei Wohnungen. Wirtschaftsstandorte stellen sich andere Entwicklungen vor. Für solche Städte sind die Einnahmen aus der Gewerbesteuer nicht mehr gesichert.

Auf diese Veränderungen sind die Planungssysteme der meisten Städte nicht ausgerichtet. Vor zehn Jahren wäre für Berlin mit fast vier Millionen Einwohnern kein Wohnungsmangel unterstellt worden. Nach wie vor gibt es Ausweichmöglichkeiten in Gemeinden Brandenburgs, die eng an das Stadtgebiet von Berlin angrenzen und noch dünn besiedelt sind. Es ist aber Stand der Dinge, dass andere Städte diesen Luxus nicht haben. München sei als extremes Beispiel genannt. Dennoch: Bei Betrachtung der Zukunft dauert die Freigabe eines Bebauungsplans in Berlin mehrere Jahre. Das dann vorhandene Planungsrecht erstellt keine Gebäude. Interdisziplinäre Strategien sollen aufzeigen, wie Städte schneller auf solchen Wandel reagieren können und wie Chancen und Risiken bei der Digitalisierung zu gewichten sind.

Deutsche Innenstädte sind durch den konventionellen Verkehr überlastet. Viele Menschen können es sich nicht mehr leisten dort zu wohnen. Randstädte entwickeln sich. Die Digitalisierung zwingt die Bürger in die Nähe der Plätze, wo sie arbeiten.

Technische Problemstellungen

Das „Homeoffice“ wurde vor Jahren beschworen. Die Unterstützung der Technik in Deutschland ist unbefriedigend niedrig. Das betrifft auch zentrale Lagen der Hauptstadt Berlin, wo nicht mehr als 6 MBit „aufgerufen“ werden können. Für mehr Anspruch „ruckelt“ die Leitung.  Solche Informationen sind als Partygespräche geeignet und zum Schluss nicht glaubhaft. Neue Funkstandards wie 5G könnten Telekommunikation in Zukunft darstellen, wie wir es im persönlichen Gespräch erwarten. Wir werden weiterhin ins Büro fahren, aber vielleicht nicht mehr jeden Tag. So werden wir freier in der Wahl unseres Wohnortes und entzerren die Stadt, die sich solchen Veränderungen wiederum anpassen muss.

Diese Illusionen können in kaum einer Stadt Deutschlands verwirklicht werden. Schlafstädte am Stadtrand sind angenehm grün, aber nicht die gewünschte Lösung der technischen Probleme und der Wohnungskrise. Wer in die City will, steht vorher lange still – in fast allen Städten Deutschlands! Die Menschen drängen in die Innenstädte, weil sie die Dichte, das urbane Leben dort schätzen. Das bieten Hochhaussiedlungen nicht.

Die Digitalisierung könnte Bewohner vor Ort besser einbinden, eine größere Identifikation schaffen und damit externe Viertel lebenswerter machen. Wollen die Bürger das zu überwiegenden Teilen? Hilfestellungen können im Falle des Angebots eines Arbeitsplatzes im „Homeoffice“ Strukturen der Digitalisierung sein.  Crypto-Währungen, eine davon „Sharries“ genannt, können nicht-monetäre Leistungen einbringen, um dem Quartier zu einem Mehrwert zu verhelfen. Autonomes Fahren könnte nicht nur dazu genutzt werden kann, dass der Mensch zur Stadt, sondern dass die Stadt zum Menschen kommt. Mobile Ärzte gibt es wie fahrbare Bartresen oder Postfilialen. Alle können mit digitaler Unterstützung selbständig durch die Gegend fahren und Dienstleistungen erbringen.

Raum

Raum ist die knappste Ressource der Stadt. Mit Hilfe aktuell verfügbarer Technologien wäre sie effizienter zu bespielen. Verkehre wären so zu leiten, dass Lastspitzen umgangen werden. Das ist sinnvoller, billiger und schneller als eine neue U-Bahn-Linie zu verlegen. Wenn alle Arbeitnehmer um acht Uhr im Büro sein müssen, hilft das nur begrenzt. Dank „Homeoffice“ oder lokaler „Coworking“-Angebote wären Veränderungen gegeben, die vielschichtig sind.

Den Feierabendverkehr könnte Google Maps im anderen Fall  erleichtern. Wird Stadtentwicklung so durch die Hintertür privatisiert, die Kommunen und damit unsere gewählten Vertreter darüber befinden, wie unsere Infrastruktur zu gestalten ist? Durch Aggregation unserer individualisierten Daten hat Google die besten Echtzeitdaten und mehr Einfluss auf unser Verkehrssystem als die Verkehrsleitzentralen. Wir erleben Wirkmächte von Firmen, die wir nie gewählt oder bewusst beauftragt haben. Solche Verschiebungen zur Privatwirtschaft machen Sorgen. Bürger brauchen für die Städte gesellschaftliche Debatten und Entscheidungen, wie die dargestellten Fragen zu regulieren sind. Konkurrierende Angebote in kommunaler Kontrolle können Städte nicht mehr an den Start bringen (vgl. Wiedemeier, J.).

Partizipation ist ein großes Thema der Städte und bei der Wandlung sehr wichtig. Die Smart City nützt nichts, wenn sie nicht gesellschaftlich getragen wird. Zum einen mangelt es am wichtigen Vertrauen, dass Beteiligungsangebote ehrlich gemeint sind. Hinzu kommt, dass die meisten Verfahren nicht inklusiv genug sind. Bei öffentlichen Veranstaltungen der Stadt sitzen meist die gleichen Gruppen zusammen – meist nicht die, die es betrifft. Darüber hinaus macht Beteiligung die Städte langsamer: Die Schaffung von Wohnraum soll schnell erfolgen, aber vorher wollen alle mitreden. An dieser Stelle müssen bessere und schnellere Verfahren gefunden werden.

Fazit

Es muss noch eine Menge passieren. Viele Kommunen sind sich dessen nicht bewusst. Geschwindigkeit ist der Knackpunkt, damit Daseinsvorsorge in den richtigen Händen bleibt:   Wie schnell kann sich eine Behörde wandeln? Woher kommt das Personal mit den benötigten Fähigkeiten? Wer sich mit Digitalisierung auskennt, muss Idealismus mitbringen, um nicht den lukrativen Angeboten aus der Privatwirtschaft zu folgen. Das sind Prozesse, die fünf, zehn Jahre dauern. Die technologische Entwicklung gestaltet sich mit unverminderter Geschwindigkeit.