Zahlen mit dem iPhone von Apple ohne Bares oder Kreditkarte mit der digitalen Geldbörse.  Das mobile Bezahlen wird populär. Der Kunde hat in ein paar Tagen die persönliche Wahl.

Auch deutsche Apple-Fans werden endlich auf der Höhe der Zeit sein. Dann werden sie wie weltweit andere Smartphone-Besitzer ihr Mobilgerät zum Bezahlen zu nutzen können. Der  Einkauf im Supermarkt, die Bluse oder Hemd und Hose vom Online-Händler, das Menu vom „Bringdienst“ oder die Toilettennutzung an der Autobahnraststätte werden neu geregelt.

Voraussetzung ist, dass jeder Deal über Apple erfolgt. Dann können Besitzer eines iPhone per Apple Pay ihren persönlichen Konsum bezahlen – und mehr darüber hinaus. Der Bezahldienst startet in Kürze. Zum Abkühlen des Begeisterns sei auf die isolierte Arbeit von deutschen Supermärkten verwiesen. Die akzeptieren dafür bereits jedes Smartphone. In jeder Woche werden solche Highlights weitere Stufen erklimmen.  Apple kommt bald damit, heißt es.

Der Siegeszug des Phone-Pays in anderen Ländern und Erdteilen

Seit vier Jahren können Verbraucher mit ihren Apple-Geräten in anderen Ländern überall bezahlen. Deutsche Besitzer von iPhone, iPad oder Apple Watch dagegen müssen sich für die neuen Dienstleistungen noch gedulden.  Kreditkarten können digital im iPhone hinterlegt werden. Das ist die nächste Stufe der digitalen Zahlung. Nutzen können alle Eigentümer von Smartphones in der Folge auch ihre Konten – weltweit. Für seinen Leistungsbereich kündigte Apple-Chef Tim Cook an, dass Apple Pay bis zum Jahresende 2018 in Deutschland eingeführt würde. Danach war Ruhe. Keine weiteren Versprechungen folgten.  Die Verhandlungen zwischen Apple und den dafür relevanten Banken sollen sich schwierig gestaltet haben.

Deutschland gilt als schwieriger Mobile-Payment-Markt.  Ladenkassen und digitale Dienstleister sind weitgehend mit der „Near Field Communication“ (NFC) ausgestattet. Damit ist Bezahlen mit Plastikkarte oder Smartphone kontaktlos möglich. Deutsche zahlen wie Japaner (!) gern bar oder greifen zur Girocard (früher EC-Karte). Chinesen haben in ihrem Land Kreditkarten nicht kennengelernt. Sie sind vom Bargeld zum Smartphone gewechselt. Nachdem Google Pay und die Bezahl-Apps der Sparkassen sowie der Volks- und Raiffeisenbanken im Sommer kurzfristig zu Hundertausenden Kunden kamen, zieht Apple nun nach. Apple hat offenbar in Deutschland auf ein Momentum gewartet, auf dem es aufbauen kann (Ohlhausen, R.; Entwicklungsleiter beim Zahlungsspezialisten PPRO).

Während eine Minderheit von IPhone-Besitzern auf Apple-Pay gewartet hat, ist der Kreis derer, die den Bezahldienst in Kürze nutzen können und wollen, überschaubar geblieben. Visa, Mastercard und American Express sind schon am Anfang dabei. Wenige Banken machen sofort mit.  Deutsche Bank und Hypo-Vereinsbank werden von  innovativen Online-Banken begleitet. Die meisten Banken halten sich zurück, weil sie die von der EU gedeckelte Mini-Gebühr, die  für jede Kartenzahlung im Handel berechnet wird, nicht  mit dem reichen Konzern aus Kalifornien teilen wollen.  Kunden anderer Banken oder Sparkassen werden Apple Pay zeitnah nicht nutzen können. Eine Apple-Mobilmachung ist das nicht.

Neue unbekannte Wege

Apple verlangt einen Anteil an jeder Transaktion. Das unterscheidet sie von Google aus dem Alphabet-Konzern, das seinen Bezahldienst den Banken kostenlos überlässt und stattdessen Kundendaten sammelt. Wenn Kunden in betroffenen Ländern drängen, Apple Pay benutzen zu können, werden die bisher abwartenden Banken nachgeben. Sollte Apple Pay wirklich abheben, werden die Banken in den sauren Apfel beißen müssen (vgl. Ohlhausen ebda.).

Die meisten Bankkunden können mobil bezahlen, wenn sie ein Smartphone mit Android als Betriebssystem besitzen. Das trifft für 80 Prozent der Deutschen zu. Google Pay ist für Kunden von Commerzbank, Comdirect, N26 oder der BW-Bank möglich – zusätzlich mit Paypal-Konto.  Sparkassen oder Volks- und Raiffeisenbanken fordern „Mobiles Bezahlen“ gemäß einer App der Sparkassen oder die „VR-Banking-App“ der Genossenschaftsbanken.

Mit der Android-App ist der  Handy-Bildschirm zu aktivieren und vors Lesegerät zu halten. Pin-Eingabe oder Unterschrift ist bei Einkaufsbeträgen bis 25 Euro nicht nötig. Die Bezahldienste von Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken haben einen Vorteil. Sie lassen Kreditkarten und die Girocard registrieren. Die hat fast jeder Deutsche. Jeder Einkaufsbetrag wird so zeitgleich vom Online-Konto abgebucht. Dafür verlangen Sparkassen oft Gebühren.

Technik

Apple Pay bietet an beim Bezahlen an der Ladenkasse seinen Finger auf den Fingerabdruck-Sensor zu legen und das iPhone vors Lesegerät zu halten. Wer ein iPhone X oder ein neueres Modell besitzt, kann das Smartphone über die Gesichtserkennung entsperren. Es würden keine Daten gespeichert, die auf die zahlende Person schließen lassen (so Apple). Sollte das iPhone verlorengehen, kann es kein Fremder zum Bezahlen nutzen (vgl. Klemm, Th.; FAS 2018-11-11).

Mit der Apple Watch geht es an der Ladenkasse am schnellsten.  Ein Doppelklick auf den unteren Hardware-Button genügt, während der Eigentümer die Uhr an das Lesegerät hält. Dem Kunden soll der Bezahlvorgang so einfach wie möglich gemacht werden. Mehr als die Uhr ist nicht erforderlich (vgl. Koppe, V.;  Visa, zuständig für Digitales in Zentraleuropa). Online-Shopping ist mit Apple Pay immer möglich, wenn Händler den Bezahldienst anbieten.

Apps von Flixbus, Ryanair, Zalando sowie bei den  Essenslieferanten Deliveroo und Foodora können auf den Apple-Bezahldienst zugreifen. Banken und Händler hoffen, dass Apple Pay in Deutschland den Durchbruch des mobilen Bezahlens bringt. Apple-Nutzer gelten als aufgeschlossen, fortschrittlich und zahlungskräftig. Sie könnten andere Smartphone-Besitzer mitziehen. In anderen Ländern ist das passiert. Steigerungen werden erwartet.

Fazit

Einzelhändler haben Vorarbeit geleistet. Kontaktloses Bezahlen über NFC  haben Discounter, Supermarktketten, Elektromärkte und vergleichbare Unternehmen flächendeckend eingeführt. Daneben akzeptieren die meisten Unternehmen das Bezahlen mit dem iPhone. Die Entwicklung weg vom Bargeld wird wegen der Vorteile von vielen akzeptiert  (vgl. Hommel, O.; Fachmann für Zahlungsverkehr, Accenture).

Kunden werden offener: Die Furcht lässt nach, dass ihre Karten beim kontaktlosen Bezahlen von Fremden ausgelesen werden. Jeder weiß, dass ein Bezahlvorgang verschlüsselt ist. Die nächste Stufe ist das Zahlen ohne iPhone o. ä. – ausschließlich mit Konten-Dispositionen über Gehirnströme!