Die gewährten Zinssätze gemischter Kapitalversicherungsverträge führen zur Ratlosigkeit.  Versicherungen – weitergeführt, weitergezahlt, stillgelegt – ist Aussteigen empfohlen?

Die richtige Antwort hängt vom Einzelfall ab, weil die gemischten Policen heikle Zwitter aus alten Zeiten sind, als Geldanlage und Versicherung – spezifisch in Deutschland – im Sinne des Vertriebs und seiner Provisionserlöse verknüpft angeboten wurden. Damals wurden Versicherungsverträge abgeschlossen, um finanzielle Konsequenzen bei Invalidität und Tod zu mildern, aufgenommene Kredite zu tilgen oder Altersrenten mit Geldzuflüssen aufzubessern. Nun herrscht Verunsicherung über die Zukunft der Versicherungsverträge.

Versicherungen sollen Hinterbliebenen das Leben zu erleichtern, wenn der Ernährer gestorben ist. Alternativ soll der geschützte Versicherungsnehmer davon profitieren, wenn eine mit dem Vertrag genannte Krankheit ohne Todesfolge Betroffene in wirtschaftliche Notlagen stürzt, wenn sie zum Lebensunterhalt wirtschaftlich nichts mehr beitragen können. In den meisten Fällen sind solche Absicherungen „ein Tropfen auf den heißen Stein“. Die Analyse in von vorhandenen Versicherungsverträgen betroffenen Familien könnte auf die Empfehlung hinauslaufen, junge Kapitalversicherungen zu kündigen und die Absicherung für den Todesfall bei gleichem Prämienaufwand zu erhöhen.

Eltern mit kleinen Kindern sollten sich also keine Gedanken über den Garantiezins für Neuverträge mit nur noch 0,9 Prozent machen. Sie sollten über eine Unfallversicherung oder Risikolebensversicherung mit jeweils mindestens 500.000 Euro Versicherungssumme nachdenken und möglichen Zinsgewinn „vergessen“. Letzterer ist in der deutschen Mentalität heimisch, da eine Versicherungsprämie ohne Eintritt eines Versicherungsfalls doch ein Geldverlust wäre. Eine interessante Einstellung zu den Empfindungen von Krankheiten und Lebenserhaltung! Versicherungssummen unter einer halben Million Euro sind für jede Familie mit beliebigem Einkommen „nett“, aber ohne Wert, da die Zuflüsse im Ernstfall nicht ausreichen können.

Versicherungen für die Finanzplanung

Wenn deutsche Versicherungsnehmer über ihren Schutz als Person, primär für sich und dann für die Familie, nachdenken, wird der Kapitalgewinn hinterfragt. Daraus ergibt sich – fehlgeleitet, dass die Dividende der neue Zins ist. Diese Aussage war in den vergangenen Jahren bei allgemein fallenden Zinssätzen immer wieder zu hören. Im Niedrigzinsumfeld muss das keine falsche Aussage sein. Am „Ende des Tages“ ist sie es mal wieder nicht. Dividenden-ETFs müssen nicht nur nach kräftigen Zinserträgen klingen, sondern auch die erhoffte Leistung erbringen. (vgl. Bloss, M.; Finanzbuchautor und EIFD-Direktor – Börse Stuttgart TV).

Unfallversicherungen bezahlen, wie der Name sagt, nach Unfalltod. Nach einem Tod durch Krankheit zahlen Unfallversicherungen keinen Euro. Die Verrentung einer Kapitalversicherung von 100.000 Euro macht jede Witwe ohne Arbeitsplatz nach Kurzem zum Sozialfall. Junge Familien brauchen meist monatlich 3000 Euro, um das Leben finanziell „zu schaffen“. Bei einer Versorgungsdauer von zehn Jahren, einem Anlagezins von zwei Prozent und einer Steuer von kalkulatorisch 26,375 Prozent ist eine Todesfallsumme von mindestens 335.000 Euro notwendig. Einen 30 Jahre alten Familienvater kostet das neun Euro pro Monat.  Ehepaare berichten, dass ihnen dieser Aufwand zu hoch sei (vgl. Looman, V.; Kommentierung in FAZ).

In Kapitalversicherungen sollte zusätzlich die Absicherung bei Berufsunfähigkeit enthalten sein. Wenn ein angestellter Manager ab dem 45. Lebensjahr seine bisherigen Vorsorgen analysiert, erkennt er, dass er nach zehn Jahren die monatlichen 500 Euro für den Ruhestand noch mindestens 20 Jahre fortführen muss – zuzüglich der Inflationsrate von kalkulierten 2,5% pro Jahr.

Der Rückkaufswert einer solchen Police beträgt nach obigen Vorgaben etwa 60.000 Euro. Nach weiteren 20 Jahren werden dem Anleger etwa 300.000 Euro in Aussicht gestellt. Neben der einmaligen Zahlung im Todesfall ist die Beitragsbefreiung bei Berufsunfähigkeit als Schutz integriert. Eine Monatsrente von 3.000 Euro käme bei Invalidität hinzu. Dafür sind allein 100 Euro im Monat aufzuwenden. Hinterfragt wird die Sicherheit des Geldes. Wie stabil ist die Ablaufleistung?

Verzinsung

Die Verzinsung der Police bleibt Thema bei allen Versicherungen. Alternativen werden gesucht. Die Absicherung bei Berufsunfähigkeit wird meist unterbelichtet. Können sich Familien leisten, dass der Ernährer auf die Absicherungen bei Berufsunfähigkeit verzichtet? Die Rente wird bis zum 65. Lebensjahr bezahlt. Der heute 45 Jahre alte Anleger würde 228 Raten erhalten, falls er in den nächsten Tagen seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Die Summe der Leistungen würde 684.000 Euro betragen. Der Barwert könnte bei 521.000 Euro liegen, wenn die Zahlungen mit jeweils drei Prozent auf die Gegenwart abgezinst werden. So viel Geld müsste der Anleger auf dem Konto haben, um die Rente aus eigener Tasche finanzieren zu können. Sollte dieser Betrag nicht vorhanden sein, ist jede Analyse hinfällig. Nur im anderen Fall sind Alternativen erlaubt.

Kapitalversicherungen werden auch abgeschlossen, um am Ende der Laufzeit aus dem Erlös Kredite zu tilgen. Können die Schuldzinsen der Kredite steuerlich als Werbungskosten abgesetzt werden? Werden die Ablaufleistungen der Versicherungen besteuert? Das fragen sich die Eigentümer von finanzierten Wohnhäusern, die Kreditzinsen nicht als Werbungskosten absetzen können. Derartige Kombinationen sollten aufgelöst werden, weil Sollzinsen mit Versicherungsrenditen nicht zu schlagen sind. Bei Krediten mit Schuldzinsenabzug ist die Differenz zwischen Soll- und Habenzinsen gesunken. Die Finanzierung von Mietwohnungen kostet nach Steuern jährlich ein oder 1,5 Prozent und erbringen nicht viel mehr. Sichere Alternativen werfen nicht mehr Rendite ab. Ob der Kredit in voller Höhe zu tilgen ist, muss im Voraus berechnet werden. Um ein „Finanzloch“ zu stopfen, muss das Festdarlehen auf ein Tilgungsdarlehen umgestellt oder Sparverträge abgeschlossen werden.

Die tatsächlich anzustrebende Zielsetzung bei Versicherungen

Bewährungsproben für Kapitalversicherungen sind Arbeitslosigkeit und Scheidung. Der weitere Sparprozess wird in Frage gestellt. Die Prämien für den Risikoschutz sind zu begrenzen. Freistellungen der Beiträge oder der Rückkauf des  Vertrags oder der Verträge finden meist keine Alternative. Der Taschenrechner aus der Schublade kann die bisherigen Einzahlungen addieren und mit dem Rückkaufswert vergleichen. Ehe und auf diese gezielte Policen sind überflüssig geworden.  Jetzt zählt nur noch Bargeld. Die Aufnahme eines Kredites wäre möglich, um den Partner auszuzahlen. Das rechnet sich meist nicht. Zur Kündigung gibt es meist keine Alternative.

Diese Menschen werden zu Verlierern, weil sie Einbußen in Kauf nehmen müssen. Habenzinsen, sofern erzielt, unterliegen ab dem 62. Lebensjahr nur zur Hälfte der Besteuerung. Renten werden mit dem Ertragsanteil besteuert. Anleger, die auf Sicherheit bedacht sind, sollten an den Policen nicht viel ändern, weil sinnvolle Alternativen nicht zu finden sind. Der Privatkonsum sollte der  Überprüfung unterzogen werden (vgl. Looman ebda.).

Im Nachhinein kann jede Handlung beklagt werden – besonders, wenn andere sie damals bestärkt haben. Versicherungen sind zum Sichern vorhanden und werden in allen Bereichen vereinbart. Daraus lassen sich einseitige und nicht abzuändernde Schlussfolgerungen ziehen.

Fazit

Wenn das Endguthaben im Ruhestand kalkulatorisch sinken wird, ist der Gürtel im Alter enger zu schnallen. Ruheständler müssen, wenn sie sich für die Leibrente entschieden haben, damit rechnen, dass die Bezüge weiter gekürzt werden. Die Zinsen sind gesunken. Die Sterbetafeln zeigen längere Lebenserwartungen. Das kürzt laufende Rentenzahlungen. Rentner müssen noch stärkere Einbußen hinnehmen, so dass der Versicherungsvermittler als Verursacher der Problematik zu sehen sein wird. Seine Lügen, sein Hinweis auf Statistiken und sein Angebot von Versicherungen sind in dieser Reihenfolge Fakt! Veröffentlichungen in der Presse schaffen keine Steigerungen.