Wenn der Roboter das Amazon-Paket mit Waren füllt, beunruhigt das die späteren Empfänger.

Soll etwas dagegen unternommen werden oder genießen wir als Menschen damit Vorteile?

Die Harmonie zwischen Mensch und Maschine ist für viele ungewohnt. Amazon rüstet sein Logistikzentrum in der amerikanischen Stadt Baltimore mit immer mehr Robotern aus. Dazu investiert der größte Online-Händler der Welt in Automaten. Sie sollen Unfälle vermeiden und helfen, den Versand schneller und effizienter zu machen.

Das ist einer der vielen Einblicke in eine hochtechnisierte Welt. Autonome Fahrzeuge sind schon länger unterwegs als die meisten unserer Mitbürger glauben. Die Technologien gibt es schon lange. Sie sind verbessert worden. Wer vor zwanzig Jahren im Hamburger Hafen war, konnte als Besucher LKWs beobachten, die zwischen den Containern fuhren, Waren auf- und abluden. Deren Lenkräder drehten sich in den Kurven. Im Führerhaus saß niemand.

Was sind dagegen Roboter, die Pakete mit Waren zusammenstellen und versenden, ohne dass ein Mensch sie sichtbar dazu beauftragt?

Roboter als Partner unseres Arbeitslebens

Stumm surren sie dahin. Sie drehen sich im Kreis, weichen einander aus und fahren an Menschen vorbei. Maschinen in verschiedenen Farben, optisch wie Staubsaugerroboter, die wir auf unserem Rasen akzeptieren. Sie transportieren Regale durch Lager. Amazon hat sie digital beauftragt. Sie werden beladen: Mitarbeiter, die sogenannten „Stower“, packen Waren nach Größe sortiert in die Regale. Klebebänder an der Hülle verhindern, dass die Fracht während der Fahrt durch das Lager hinaus fällt. Das klingt nach einem Hochregallager, in dem alle Waren eingebracht und wieder herausgeholt, anschließend verschickt oder disponiert werden.

Kameras

Ist es in unseren Empfindungen wirklich etwas Besonderes, wenn Kameras erkennen, wo Waren an welcher Stelle im Regal zu finden sind? Keine 100 Meter weiter sortieren die „Picker“ Produkte aus – in Kisten und angeleitet von einem Computerprogramm, das ihnen sagt, welches Produkt aus welcher Ecke des Regals in eine bereitgestellte Kiste gehört. Dann rollen die Kisten über kilometerlange Bänder zur nächsten Station. Die Ereignisse jeden Tags, in zehn-Stunden-Schichten – oder dreimal acht, um Waren zu disponieren?

Früher

Früher sind Amazons Mitarbeiter mit Handzetteln durch meterhohe Regalwände gelaufen, um nach der bestellten Ware zu suchen. Später erledigte das ein Warenscanner. Was ist das für Menschen ein Phänomen, wenn in konventionellen Logistikzentren von Amazon noch heute so gearbeitet wird? Sind diese Vorgänge für den technisch nicht motivierten Bürger üblich oder für andere veraltet? Wer noch in der Vorstellung lebt, dass damit für ihn als Verbraucher der Arbeitsplatz verloren gehen könnte, hat die Welt nicht gehört oder sein Umfeld übersehen.

Nur noch acht Prozent der deutschen Bevölkerung arbeitet körperlich. Das wird selten realisiert. Selbst nicht körperlich engagiert, wird auf die- oder denjenigen verwiesen, der hart arbeitet, seinen Körper ausbeutet. In der Realität gibt es nur noch wenige Menschen mit solchen Aufträgen. Umziehen von einer Wohnung in die andere: Lernen Sie noch heute diese nur noch seltene Spezies Mensch kennen!

Niederlassungen

Bei den neuen Niederlassungen von Amazon mit ihren „Fulfillment Centern“, wie der Online-Händler seine riesigen Hallen nennt, kommen vor allem Roboter zum Einsatz. Das Packstudio in  Baltimore (US-Bundesstaat Maryland) ist eines der größten und aktivsten Logistikzentren des Konzerns. Dieser ist stolz auf die Anlage und lädt Mitbürger und Journalisten ein, damit sie sich davon ein Bild machen:

Auf rund 93.000 Quadratmetern arbeiten mehr als 3000 Menschen – und noch mehr Roboter, auch nur Menschen? Auf vier Etagen laufen jeden Tag Tausende Pakete über die Bänder. Produkte werden gelagert, verpackt und versandt. An Scannern vorbei und über Waagen können in der Stunde mehr als 15.000 Pakete laufen. Seit drei Jahren sind hier „Cobots“ im Einsatz, Roboter, die auf die Kooperation mit menschlichen Mitarbeitern programmiert sind. Baltimore war einer der ersten Standorte mit maschinellen Helfern. Vor sechs Jahren hat Amazon für 775 Millionen Dollar das Unternehmen Kiva gekauft. Dieses Start-up aus Massachusetts hatte viele Kunden aus dem Handel. Heute fahren die Roboter nur durch Amazon-Lager (vgl. Jansen, J.).

Herr der Roboter

In Europa arbeiten von etwa 80.000 Amazon-Mitarbeitern 10.000 jeden Tag mit Robotern. In Deutschland sind sie in zwei der insgesamt zwölf Logistikzentren unterwegs. (Frankenfeld und Winsen, Nähe Hamburg). Die Maschinen sollen Abläufe beschleunigen und vereinfachen:  Roboter werden nicht müde und sind nie unkonzentriert. Dank der maschinellen Helfer passieren viel weniger Unfälle, heißt es von Amazon. Wenn sich ihnen Menschen nähern, bleiben sie stehen. Sensoren erkennen die Umgebung – Abschaltfunktionen an der Kleidung der Mitarbeiter schützen vor Kollisionen. Der „Vice President of Global Customer Fulfillment“ ist Herr der Roboter und für die Abläufe in 175 Logistikzentren zuständig.

Autonomie

Sind das nicht die Stärken autonomer Fahrzeuge, die hier vereinfacht auf Waren passen? Mit der Automatisierung fallen keine Stellen weg – wie seit Jahrzehnten im Hamburger Hafen nicht. Mit dem Kauf von Kiva vor sechs Jahren hat Amazon 300.000 Mitarbeiter eingestellt (vgl. Fulton). Roboter übernehmen Tätigkeiten, die sie besser als Menschen erledigen können. Ersetzen sollen sie das Personal nicht sondern unterstützen! Die Abwicklung des Warentransports wird schneller, denn Kunden wollen ihre Ware mit immer kürzeren Wartezeiten erhalten.

Automatisierung

Die Automatisierung der logistischen Arbeitsabläufe steht noch am Anfang. Deswegen legt der Online-Gigant hier ein Tempo vor, das ungewöhnlich erscheint. Amazon macht den ersten Schritt, dem andere und weitere folgen (vgl. Heinemann, Gerrit; Hochschule Niederrhein). Der Konzern hat im Jahr 2017 als Innovationsmaschine etwa 1600 Patente angemeldet. In Baltimore zeigt sich diese Innovationsfreude im Großen und in Details.

Im Austausch mit Kollegen, Partnern der Maschinen, lernen die Techniker, was sie verbessern können. Die Kisten sind gelb, weil sie besser sichtbar sind und werden. Klebebänder an den Regalen waren ein Vorschlag der Packer wie die Darstellung der Software auf den Bildschirmen.

Die Frage des Tages

Jeden Tag stellt Amazon seinen Mitarbeitern eine „Frage des Tages“: Sind die Toiletten sauber? Ist euer Chef gut? Fühlt ihr euch wohl in dem Job? Habt ihr die Werkzeuge, die ihr für die Arbeit braucht? Damit will der Online-Händler abfragen, was die Belegschaft fühlt und ihr das Gefühl geben, dass sie etwas zu sagen hat. In Baltimore sind die Mitarbeiter beseelt:

Schließlich bekommen sie ab dem 1. November 2018 einen Mindestlohn von 15 Dollar in der Stunde. Mehr Bargeld auf die Hand war den Mitarbeitern wichtiger als Boni-Zahlungen nach Leistung und Aktienpakete, wie es sie vorher gab. Die neue Regel gilt nur in Nordamerika. In Deutschland gibt es die Bezahlung nach Produktivität und Anwesenheit. Jedes Jahr wird eine Aktie des Konzerns übergeben.

Fazit

Die Arbeit ist im Vergleich zu früher leichter geworden. Als Vergnügen ist nicht zu bezeichnen. Die Associates, wie Amazon seine Mitarbeiter nennt, arbeiten in zehn-Stunden-Schichten an vier Tagen in der Woche mit zweimal 30 Minuten Pause. Schilder an den Wänden zeigen Dehnungsübungen, die den Rücken und die Arme entspannen sollen.

„Wir wissen, dass Picker nicht gerade die Karriere ist, die Menschen für die nächsten 30 Jahre anstreben“, sagt Felton, „deshalb helfen wir auch dabei, ihnen andere Jobs zu verschaffen.“ Sollten wir in Deutschland dankbar sein, dass wir die bei Amazon bestellten Waren voll automatisiert erhalten? Das Bestreben nach körperlicher Arbeit hat hier früher nachgelassen, aber die Waren wollen wir.