Kleinanleger sollen sicherer in Start-ups investieren können – ein Weg für Verbraucher?

Das Frankfurter Unternehmen Aescuvest plant eine Börse für Gründer – die erste in der EU.

Noch nie hat ein einzelner Investor in Verbindung mit der Sendung „Die Höhle der Löwen“ eine Million Euro in ein Start-up investiert. Die Frankfurter Zwillinge Alexander und Benjamin Michel haben diesen Rekord erreicht. Dabei haben sie sich auf ihre App „Finanzguru“ bezogen. Gründer mit solchen Summen sind in Deutschland, auch in der wirtschaftlich starken Rhein-Main-Region, selten zu finden. Wenn solche Gruppen weitere Beträge für ihr Wachstum benötigen, ziehen sich Banken und Geldgeber oft zurück. Jungunternehmer versuchen Alternativen wie Crowdfunding oder der Herausgabe eigener Krypto-Wertpapiere zu gestalten. Das erscheint Anlegern entweder nicht lukrativ oder riskant.  Sie erhalten weder Firmenanteile noch Gewinnbeteiligungen, müssen aber den Totalverlust ihrer Investition kalkulieren (Heunemann, F., FAZ 2018-10-11).

Wege zum Erfolg mit Start-ups in der Zukunft

Vor etwa einem Jahr wurde in Frankfurt die Crowdfunding-Plattform Aescuvest gegründet. Das Kofferwort aus Aesculap und Invest lässt erkennen, dass eine Spezialisierung auf die Gesundheitsbranche erfolgte. Projekte der Medizintechnik, Biotechnologie und digitaler Gesundheit haben über die Plattform sechs Millionen Euro akquiriert, die von etwa 12 000 Investoren aufgenommen worden waren. Verzinsungen von mehr als 23 Prozent in fünf Jahren wurden angeboten. Anleger könnten Zinssätze in dieser Höhe verlockend empfinden. Die  Verbraucherschutzrechte schreiben bei Crowdfunding-Anlagen die Deklaration als Nachrangdarlehen vor. Bei der Insolvenz eines Unternehmens werden diese als Letzte bedient.  Schutz könnte nur eine direkte Beteiligung an dem betreffenden Unternehmen gewähren.

Weitere Nachteile sind Projekte von Anbietern aus Deutschland, die im Ausland Geld in Start-ups anlegen wollen. Normalerweise ist dies wegen der Regelungen zum Schutz der Investoren für Anleger und Unternehmen zu kompliziert. Die zitierten Initiatoren haben in den vergangenen Monaten die neue Handelsplattform „Aescuvest.eu“ entwickelt, die sich an Start-ups aus der Gesundheitsbranche und Kleinanleger innerhalb Europas richtet. Das Ganze entspricht der Funktion einer Börse. Konventionelle Börsen sind stärker reguliert und beaufsichtigt. Investitionen bis zu zehn Millionen Euro sollen von Unternehmen eingeworben werden können. Die Crowdfunding-Plattform der Aescuvest weist höchstens sechsstellige Beträge aus. Diese nimmt für sich in Anspruch, dass sie keine Nachrangdarlehen, sondern Wertpapiere ausgibt.

Gründungen

Junge Firmen haben darin für sich keine Vorteile erkennen können. Wer Wertpapiere an Investoren verkaufen will, muss sich einer umfangreichen Prüfung der Aufsichtsbehörden unterziehen. Zudem ist die Erstellung eines Prospekts vorgeschrieben.

Darin sind mit Ausführlichkeit und rechtlicher Relevanz Geschäftsmodell, Geschäftspolitik und Risiken zu beschreiben. Prospekte bedeutender Unternehmen umfassen bis zu 500 Seiten. Deren Erstellung kostet Unternehmen sechsstellige Beträge. Kaum ein Start-up kann sich das leisten.  Die hohen Kosten könnten durch Standardisierung um bis zu 80 Prozent reduziert werden. Bei Beteiligungsbeträgen zwischen 500 000 und einer Million ist kein Prospekt herauszugeben. Die Wertpapiere erhielten eine WKN-Nummer und werden im eigenen Depot verwahrt.

Die Zulassung erfolgt generell über die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFIN). Das erforderliche „Passporting“ gilt für die Europäische Union ohne Einschränkung. Die technische Erstellung der Plattform ist ein geringes Problem. Die rechtlichen Grundlagen müssen mit allen Konsequenzen eingehalten werden. Jedes Unternehmen muss sich mit Behörden in den relevanten EU-Ländern abstimmen. Unterschiedliche Regelungen sind zu erkennen und zu beachten. Die genannte Aescuvest.eu ist die erste grenzüberschreitende Finanzierungsplattform für Start-ups aus der Gesundheitsbranche. Bisher durfte die Kapitalaquisition nur innerhalb der befassten Staaten erfolgen. Crowdfunding konnte nicht über die Ländergrenzen hinaus agieren (Heunemann ebda.).

“EIT Health Germany“ ist Teil des Europäischen Instituts für Innovation und Technologie, das von der EU gefördert wird. Es zielt auf Mitbürger, von denen die Mehrzahl nicht weiß, wann ihre nächste Schutzimpfung fällig ist. Die neue Plattform „Vivy“ wird mit Hilfe einer Gesellschaft des Versicherungswesens als virtueller Gesundheitsassistent agieren. Mehrere medizinische Fachbereiche werden abgedeckt. Für die Anschubfinanzierung von Handelsplattformen in der nahen Zukunft ist gesorgt. Kleine siebenstellige Beträge wurden bewegt.

Fazit

Zum bevorstehenden Start will die Plattform mit einem Fokus die Länder Belgien, Dänemark, Deutschland, Niederlande, Schweden und Großbritannien erfassen. Das erste akquirierte Unternehmen ist Surge-On Medical. Dabei handelt es sich um eine Ausgründung aus der Technischen Universität Delft in den Niederlanden. Dort sind minimalinvasive Instrumente für Gelenkspiegelungen und Operationen in der Bauchhöhle entwickelt und patentiert worden. Diese sollen jetzt auf den Markt gebracht werden.  Aescuvest will für das drei Jahre alte Start-up 2,5 Millionen Euro einsammeln. Die Entwicklung bleibt für Anleger mit Risikobezug ein interessantes Beobachtungsfeld.