Umdenken nimmt die Politik in die Pflicht. Die Finanzplanung unterliegt digitaler Wandlung. Regulatoren erschweren Anlageberatung für Aktien und benachteiligen zu schützende Anleger.

Herr Weidmann fühlt mit den Sparern. Der Bundesbankpräsident hat im Gespräch mit der Presse  für den Unmut der Anleger über die Niedrigzinsen Verständnis geäußert, aber auch das titulierte Umdenken gefordert. Der aktuelle Monatsbericht der Bundesbank weist aus, dass das Spar- und Finanzvermögen der Deutschen seit langem erstmals um 0,8 Prozent geschrumpft ist. Damit ist die Rendite, die ein durchschnittlicher Haushalt mit seinem Depot erzielt, unter Null gesunken.

Für die Anleger verbleibt eine bisher unbekannte Situation, wenn sie ihr Vermögen halten wollen und sich dazu für Anlagen mit Risiko entscheiden müssen. Deutsche Empfindungen denken im Geldausweis von Sparbüchern. Die Inflation war in den letzten Jahrzehnten mit Darstellung von Markstücken, die in Karnevalszügen wie von den besten Stücken beraubten Torten dargestellt worden. Deren gedanklicher Konnex zu den Sparbüchern als eigener Welt fehlte. Der Euro führte zu weiterer Skepsis. Die Zinsen fielen. Der Rückgang der Inflation blieb Randnotiz. Deutsche Bürger sind nur zu 15,7 Prozent mit Investitionen im Kapitalmarkt engagiert. Die Verluste der Spareinlagen können für sie nicht durch mögliche Gewinne am Kapitalmarkt ausgeglichen werden. In den Köpfen der Bevölkerung müsste ein Umdenken stattfinden (vgl. Meier, Th.; Portfoliomanagement Mainfirst).

Inflation

Die aktuelle, erstmals im Juli 2018 festgestellte Inflationsrate von 2 Prozent greift Ersparnisse auf den unterschiedlichen Kontotypen an. Auf einem nicht verzinsten Konto erleiden Anleger einen Kaufkraftverlust von 196 Euro im Jahr:

Ein Warenkorb, der heute 10 000 Euro kostet, wird bei 2 Prozent Inflation in einem Jahr 10 200 Euro kosten. Mit 10 000 Euro können dann nur noch 98,04 Prozent des Warenkorbes erworben werden. Die Differenz in der Kaufkraft beträgt daher 1,96 Prozent. 10 000 Euro verlieren so innerhalb eines Jahres 196 Euro an Kaufkraft. Der Verlust ließe sich abmildern, Geld auf ein Tagesgeldkonto investiert wird. Zwischen 0,5 und 0,9 Prozent werden dafür bezahlt. Bei einem Mittel von 0,69 Prozent wären 69 Euro Zinsen im Jahr für 10 000 Euro zu erzielen. Der Verlust würde auf 127 Euro im Jahr schrumpfen. Für die Zinshöhe gibt es keine Garantie. Sie kann im Monatsrhythmus geändert werden. Zum Gewinn kommen Sparer trotzdem nicht.

Deutschland gehört zu den größten Gewinnern der Globalisierung. Von diesem Erfolg profitierten überwiegend ausländische Investoren, die Beteiligungen an deutschen Unternehmen halten. Die Politik sei in diesem Bereich zurückhaltend, denn er werde nicht als Problem angesehen (vgl. Meier ebda.). Einflüsse am Kapitalmarkt dürfen politische Organisationen ohnehin nicht übernehmen. Selbst Mr. Trump musste das erkennen.

Deutsche sind im Kapitalmarkt nicht so aktiv wie Amerikaner. Das liegt eher an der „allgewaltigen“ Erziehung, die deutsche Jugendliche nahezu deckungsgleich erhalten. Das regional verstärkt in Schwaben: „Spare´, spare´, Häusle baue´…Steu´re zahle´ un´…“. Die modifizierte Version spricht zwar vom „schaffe´“ und erweitert den Schluss. An der zum Sparen schlechten Aufklärung mit hohen bürokratischen Hürden für andere Anlageformen ändert das hierzulande nichts. Negative Realzinsen für Tages- und Festgeld bleiben für Geldanlagen  Realität.

Aktien

Befragungen des deutschen Aktieninstituts beklagen, dass Bankberater wegen regulatorischer Anforderungen Aktien weniger empfehlen. Das im Jahr 2018 standardisierte Informationsblatt für die Anlageberatung hat die Befürchtung nicht beseitigt, dass mit dem Inkrafttreten von MiFID II den Anlegern weniger Aktien und verknüpfte Gestaltungen wie Fonds und ETFs  angeboten werden. Die Umkehr der Niedrigzinspolitik mit Erhöhung der Zinsen kann noch lange hinausgeschoben werden.

Wie stark können Sparer die Inflation durch vermeintlich sichere Anlagen ausgleichen? Welche  Alternativen gibt es? Das aktuell bekannte höchstverzinste Angebot stammt von einer Bank aus Lettland. Diese fällt nicht unter die deutsche Einlagensicherung. Bis zu 100 000 Euro werden gemäß der europäischen Einlagensicherung von Lettland garantiert. Dafür gibt es einschließlich Neukunden-Bonus 1,47 Prozent für Festgeld auf ein Jahr. Der Verlust durch die Inflation schrumpft so um 147 Euro auf 49 Euro im Jahr. Der Anleger fragt sich nach Betrachtung dieser Alternativen, wo er Gewinne machen kann.

Alternativen böten Dividendenfonds die Möglichkeit, um im Niedrigzinsumfeld Renditen mit überschaubarem Risiko zu erwirtschaften. Ausschüttungen böten Kontinuität und das Potenzial, von steigenden Kursen zu profitieren. Dividendenaktien sind immer noch Aktien. Sie sind im Vergleich zu klassischen Spareinlagen mit Risiken behaftet. Zertifikate werden von Wertpapierhäusern der Sparkassen angeboten und verwaltet. Mit mehr Vermögen wird dort weniger Geld verdient.

Perspektiven der Börse

Wegen der verbreiteten politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten sollten die Aussichten der Wirtschaft und die Perspektiven der Börse nicht unterschätzt werden. Die Aussichten für ein weiteres Wachstum der Weltwirtschaft sind gut. Insgesamt sollte die Konjunktur- und Gewinndynamik der Aktienmärkte intakt bleiben. Der deutsche Aktienmarkt ist derzeit von geringer positiver Dynamik geprägt. Auf Gesamtjahressicht dürften die Unternehmensgewinne um 7 Prozent zulegen. Damit könnten steigende Aktienkurse im vierten Quartal zu sehen sein.

Die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte sind von politischen Störfeuern belastet, zu denen der von Präsident Trump initiierte Wirtschaftskrieg zählt. Dieser Unsicherheitsfaktor führte zur schlechteren Marktstimmung. Die Unternehmenszahlen blieben positiv. Die Aussichten der Weltwirtschaft werden von den Notenbanken erkannt (vgl. Rüdiger, M. Vorstand DEKA-Bank). In den Vereinigten Staaten hat die Notenbank Fed ihren Leitzins im Jahr 2018 zweimal erhöht. Die Europäische Zentralbank hat angekündigt, ihr Wertpapierkaufprogramm zum Jahresende 2018 einzustellen.

Anleger sollten ihr Geld investieren. Zurückhaltung sollte dem Umdenken weichen. Anleger sind mit ihren Anlageformen  Verbraucher, die aktiv Gewinne realisieren und dabei Risiken in Kauf nehmen sollten. Sonst nehmen sie hin, im aktuellen Niedrigzinsumfeld passiv Geld zu verlieren.