Der Bundesfinanzminister präzisiert seinen Plan für einen stabilen Renteneintritt durch zehn Milliarden Euro für Demografie-Reserve und fordert, dass Arbeitgeber ältere Bürger einstellen.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat seine Pläne zur Stabilisierung der Zahlungen aus der gesetzlichen Rentenzusage präzisiert. Die von ihm geplante Demografie-Reserve im Bundeshaushalt, die 2021 mit zwei Milliarden Euro geplant ist, soll bis 2025 auf zehn Milliarden Euro wachsen. Die Planung soll so angelegt sein, dass jedes Jahr weitere zwei Milliarden Euro hinzukommen. Damit wird beim Renteneintritt im Jahr 2025 voraussichtlich eine stabile Rente finanziert werden können. Steuererhöhungen solle es Laut Herrn Scholz dafür keine geben: „Für ein stabiles Rentenniveau müssen keine Steuern erhöht werden. Das behaupten nur die Gegner einer stabilen Rente, aus sehr durchsichtigen Motiven“ (Funk, A., Monath, H.;  FAZ-2018-11-02).

Höhere Erwerbsquote

Scholz forderte die Arbeitgeber auf, einen Beitrag zur Finanzierung der Rentengarantie zu leisten. Eine Erwerbsquote von Älteren wie Norwegen oder Island ließe Finanzierungsfragen in den nächsten Jahrzehnten leichter beantworten. Wer heute mit 56 oder 58 Jahren seine Arbeit verliert, hat wenige Chancen, um eine angemessene neue Stelle zu finden. Unternehmen müssen umdenken (vgl. Scholz, O.; Vizekanzler). Die Politik hat erreicht, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit einer festen Stelle nicht so früh in Rente gehen, wie das der Fall gewesen ist. Der nächste Schritt muss sein, dass ältere Arbeitnehmer neu eingestellt werden. Dieser Vorstellung kommt entgegen, dass viele Arbeitsplätze nicht mehr besetzt werden können – je südlicher in Deutschland, desto weniger. Das Bestreben qualifizierte Arbeitnehmer aus dem  Ruhestand heraus einzubinden nimmt zu. Es ist die Überlebenshoffnung von Unternehmen, denen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch die Auswirkungen der Demografie und fixes Renteneintrittsalter verloren gegangen sind. Die EU stellt Lebenserwartungen in Deutschland und den daraus mathematisch errechneten mittleren Wert eines möglichen Renteneintritts gegenüber. Dabei ist sie für Deutschland beim 74. Lebensjahr gelandet.

Wie viel bleibt bis zum Renteneintritt und danach zum Leben?

Viele Arbeitnehmer befürchten, trotz Rente später in Armut zu leben. Diese Angst ließe sich durch längere Berufstätigkeit und Lebensbefriedigung abbauen. Biologisch baut jeder Körper ab, wenn von ihm keine Leistung mehr gefordert wird – was die individuelle Lebenserwartung vermindert. Es ist nicht so, dass Menschen sich zwingend auf den über das bisherige Leben besetzten Arbeitsplatz fixieren. Viele suchen andere Aufgaben und erfüllen ihren individuellen Lebenswunsch. Der verlängerte Einsatz beim bisherigen Arbeitgeber bewirkt keine zusätzliche Belastung aber angestrebte Befriedigung. Aktuell liegt das Rentenniveau bei unter 50 Prozent des vorherigen Nettolohns. Rentnern, die zuvor ein mittleres Einkommen erzielten, fällt es schwer, davon ihre Ausgaben zu bestreiten. Können junge und ältere Arbeitnehmer am besten damit vorsorgen, wenn sie ihre Tätigkeit am bisherigen Arbeitsplatz im Vorhinein verlängern?

Die Fälligkeit der Zahlungen bei  Renteneintritt ist sozialpolitische Baustelle jeder Bundesregierung. Das Renteneintrittsalter war vor und nach dem Zweiten Weltkrieg für Männer auf das 65. Lebensjahr, für Frauen auf das 60. Lebensjahr abgestellt. Dabei wurde für Frauen auf die höhere Belastung beim Aufziehen und die Verantwortung für Kinder abgestellt. Geschichtlich festzuhalten ist, dass bis zum Jahr 1911 eine Regelarbeitszeit von 70 Jahren (!) galt – zur Jahrhundertwende im Jahr 1900 bei einer mittleren Lebenserwartung von 45 Jahren (ohne Bereinigung der Kindersterblichkeit, die damals auch in Deutschland noch hoch war).

Lebenserwartung

Unter der – an den Dekaden in der Vergangenheit orientierten – Berücksichtigung des statistischen Sachverhalts einer Verlängerung der durchschnittlichen Lebenserwartung um 2-2,5 Jahre pro Dekade lässt sich dieser Durchschnittswert, von heute 80 Jahren (m /w) ausgehend auch rückrechnen. In etwa 20 Jahren kann der heutige Unterschied von etwa vier Jahren zwischen Frauen und Männern bei sinkender Tendenz in etwa 20 Jahren vernachlässigt werden (vgl. Bewertungen der Lebenserwartungen von Männern und Frauen von fünf Jahren vor der letzten Jahrtausendwende).  Zum Vergleich: In Russland beträgt die mittlere Lebenserwartung dort lebender Menschen 66 Jahre und der Renteneintritt früher.

Langfristig sind die – an den medizinischen Erwartungen in der Zukunft orientierten –  Hochrechnungen seit dem Jahr 2000 zu beachten. Dabei wird die Eliminierung von im letzten Jahrzehnt nicht heilbaren, das Leben damals unwiderruflich bedrohenden Krankheiten einbezogen. Entscheidendes Gewicht nimmt der Wegfall der unmittelbaren Lebensbedrohung ein – nicht die mögliche Heilung von der Krankheit!

Als Beispiele seien fast alle Krankheiten mit Karzinomen sowie `Alzheimer´, ´Parkinson´ und `Multiple Sklerose` genannt. Statistisch bleibt die Einbeziehung der Kindersterblichkeit unberücksichtigt. Die Verbesserungen der gesundheitlichen Situation in Europa, speziell Deutschland, werden von der EU bei ihren Hochrechnungen berücksichtigt. Danach lag im Jahr 2004 die mittlere Lebenserwartung eines gerade geborenen Mädchens bei 104 Jahren. Hochgerechnet auf das Jahr 2018 liegt dieser Wert bei 108 Jahren für die mittlere Lebenserwartung (vgl. Dokumentationen von Raffelhüschen, B. – UNI Freiburg u. a. und Rürup, B. – UNI Essen bis em. 2008; TU Darmstadt (ab 2009), aktuell DIW).

Renten-Pläne der aktuellen Bundesregierung

Die Forderungen der EU wurden im Jahr 2016 von Herrn Schäuble aufgegriffen, der für Deutschland ein Ruhestandsalter von 70 Jahren in Aussicht gestellt hatte. Eine Hiobsbotschaft für die Rentenpolitik kommt vom Münchner Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik. Die Rentenpläne der Großen Koalition seien unbezahlbar, heißt es in einem Bericht. Die GroKo signalisierte Anfang November 2018, dass die mögliche Lebensarbeitszeit auf 72 Jahre verlängert werden soll, um geregelte Weiterbeschäftigungen zu ermöglichen. Das kann mittelfristig zur Erhöhung der Regelarbeitszeit mit gesundheitsbezogenen Optionen – mit Renteneintritt zwischen 60 und 75 Jahren – führen.

Populistische Publikationen in bebilderten Zeitungen haben in ihren Überschriften das von „ihrer“ Mehrheit empfundene Entsetzen über die Diskussion der möglichen arbeitsrechtlichen Beschäftigung bis zum 72. Lebensjahr ausgedrückt (vgl. Publikationen – 2018-11-03). Der Vergleich zum früheren mittleren Renteneintrittsalter und der damaligen Lebenserwartung wird nicht herangezogen. Deshalb wird von Kritikern hervorgehoben, dass die bisherigen und für die Zukunft gewünschten Regelungen der Rentenzahlungen jährlich Milliarden Euro kosten würden. Diese könnten in einigen Jahren nicht mehr zur Verfügung stehen, sodass die Frage berechtigt ist:  Wie sicher ist die Rente noch?

Die Angst vor Altersarmut nach Renteneintritt lässt viele Deutsche befürchten, dass sie von ihrer Rente nicht leben können. Die Angst ist berechtigt. Woran liegt es? Wer wird betroffen sein?

Alternativen zu staatlich organisierten Rentenzahlungen

1.      Die Riester-Rente hat den ihr bei den ersten Angeboten zugeordneten Schwung verloren. Jeder fünfte Vertrag liegt auf Eis. Die Zahl der Sparer, die auf ihre Verträge nicht mehr einzahlen und damit staatliche Zulagen verfallen lassen, steigt. Der Schwung ist raus. Immer mehr Riester-Verträge ruhen. Die Zahl der „Riester-Sparer“, die auf ihre Verträge keine Sparanteile mehr einzahlen und damit Millionen staatlicher Zulagen verfallen lassen, ist auf 3,3 Millionen Euro angestiegen. Jeder fünfte der etwa 16 Millionen Riester-Verträge zur privaten Altersvorsorge „liegt auf Eis“ | (mdr).                                                      …

2.      Mit Reform der Betriebsrenten gibt es bei Renteneintritt mehr Rente mit Hilfe vom Chef:                                     Die Private Vorsorge fürs Alter wird leichter: Die Reform der Betriebsrenten ermöglicht es mehr Menschen, über den Arbeitgeber zusätzlich Rente anzusparen. | (swr).                       …

  1. Angst vor Altersarmut – Risiko steigt mit jedem neuen Rentenjahrgang: Viele Menschen befürchten, dass sie von ihrer Rente nicht leben können. Die Angst ist berechtigt. Woran liegt es? Wer wird davon betroffen sein? Ist die Sorge begründet und das Rentensystem unsolidarisch? „Der Rentenreport“ geht den Fragen nach.| (mdr).                 …
  2. Skandal um Doppelsteuer – wie der Staat von Rentnern zweimal kassiert:
  3. Immer mehr Rentner müssen auf Teile ihrer Rente Steuern zahlen, obwohl diese aus versteuerten Beiträgen erwirtschaftet wurden.
  4. Frauen in der Rentenfalle – sie verdienen weniger als Männer, arbeiten oft in Teilzeit, ziehen Kinder groß. Am Ende ihres Erwerbslebens haben Frauen bei Renteneintritt oft Kapitalzuflüsse, die kaum das Leben sichern ndr.
  5. Enorme Rentenlücke für Junge: Laut dem neuen Vorsorgeatlas Deutschland müssen vor allen die heute 20- bis 34-Jährigen um ihren Lebensstandard im Alter bangen.
  6. Lohnt sich die „neue Betriebsrente“? Neues Gesetz soll Betriebsrente stärken: Ein neues Gesetz stärkt die Betriebsrente und schwächt gleichzeitig die gesetzliche Rente. Es ist nachzurechnen, ob sich das für die Beitragszahler lohnt.
  7. Erkenntnisse, was von den erwarteten Rentenzahlungen abgezogen wird: Die Sorge um die Rente treibt Bürger um. Das spielt nach dem Wahlkampf eine Rolle. Mit Hilfe eines Rentenrechners können Abzüge von der Rente berechnet werden|(br).

Unabhängig von privatwirtschaftlichen Angeboten bietet die Gesetzliche Rentenversicherung höhere Renditen als die Riester-Rente. Bei den aktuell niedrigen Zinsen bietet die gesetzliche Rente höhere Erträge. Freiwillige Einzahlungen können die Ansprüche erhöhen. | swr.

Fazit

„Es kann nicht alles bleiben, wie es ist. Es ist unerlässlich, dass Arbeitnehmer privat vorsorgen“ (Holtemöller, O.; Ökonom. Prof. – video, 3sat). Altersarmut ist bei jedem fünften Neurentner zu erwarten. Ausgangspunkt kann die Erwerbsminderungsrente sein. „Die Rente muss den Lebensstandard sichern können“ (Butterwegge, Ch.; Politikwissenschaftler – video, 3sat). Düstere Zukunftsprognosen verweisen auf die Möglichkeit des Arbeitens im Ruhestand – oder die Empfehlung diesen hinauszuschieben.

Erfahrungen mit der neuen „Flexi-Rente“ können motivieren in Zeiten mit niedrigen Zinsen privat vorzusorgen. In der „Privaten Altersvorsorge“ sollten vor Entscheidungen seriöse Anlageprodukte erkannt und analysiert werden. Angebote zur privaten Vorsorge sind zahlreich und vielfältig. Risiken sind bei Fonds und Banksparplänen – für alle Altersgruppen – zu hinterfragen. Mehrere Anlagen bringen weniger Risiko. Bei den aktuell – noch – niedrigen Zinsen ist es schwierig auskömmliche Erträge zu erzielen, die über den aktuell und „europaweit“ erhöhten Inflationsraten liegen.

Ein gutes Gehalt ist keine Garantie (mehr) für eine auskömmliche Rente, die für Jüngere zur Bedienung der Ehrlichkeit nicht vor dem 70. Lebensjahr eingeplant werden sollte. Schwierig bleibt es geeignete Anlageformen zu finden. Immobilien sind es nicht, wenn heute in sie investiert werden soll. Die Kaufpreise für Immobilien steigen aktuell stärker als die Mieten. Damit eignen sie sich auch als Geldanlage. Doch der Markt könnte bald gesättigt sein. Besser ist es im Besitz befindliche Immobilien – noch – über Wert zu verkaufen. In guten Lagen südlicher Bundesländer kann das realistisch sein. Für Berlin und Hamburg ist es – nicht nur wegen der Lage im Norden – nicht der Fall. Berlin ist die billigste Hauptstadt Europas.

Abschließend stellt sich als Resümee die Frage: Welche Verantwortung hat die Politik? Könnten staatliche Fonds die Rentenzuflüsse erhöhen? Andere Rentensysteme könnten Vorbild sein. In Österreich müssen alle Arbeitnehmer in die Versorgungskassen einzahlen.