Amazon und Google sollen von der Deutschen Bank und Commerzbank nachgeahmt werden.

Was heißt das für die Kundendaten? Die sind schon da:  Die Verwerter der Bankfilialen warten.

Kreditinstitute werden künftig häufiger als bisher gute Ratschläge unterbreiten. Bankkunden müssen sich mit ihren persönlichen Daten darauf einstellen, dass diese durch die Hausbank und andere optimal genutzt werden – zu deren Profit ohne nicht mehr erforderliche Gier. Die Daten der  Kunden sind schon da. Sie verlocken zu der Frage der Bewacher der Banktresen, ob es ein Wertpapiersparplan oder ähnliches sein darf. Hauptsache ist, dass die Kunden nach dem Auftrag schnell gehen und die Daten im Haus bleiben. Antizyklisch: „Sollen wir den auslaufenden Kredit verlängern? Wie geht es Ihren Kindern oder anderen (von Ihnen) Abhängigen? In den deutschen Geldhäusern ist die Erkenntnis gereift: Sie wissen viel über ihre Kunden, nutzen dieses Wissen aber weniger aus als die Technologiekonzerne aus dem Silicon Valley. Das ist erschütternd, besitzt doch Frankfurt als deutsche Bankenstadt einen größeren Internetkonten als das Silicon Valley!

Soll die Kontaktintensivierung mit vorhandenen Kundendaten alles sein?

Die Kunden werden als Verbraucher definiert. Geschützt werden sie mit ihren Vermögenswerten durch die ausgewählten Bankinstitute. Kundendaten werden separat gespeichert, bewahrt und zielsicher extern eingesetzt. Müssen die Kunden davon wissen? Denen wird doch nichts getan! Kunden kommen selten allein. Im Hintergrund lebt die Familie mit unterschiedlich orientierten Mitgliedern. Es unerheblich, ob diese Kunden des besuchten Bankinstituts sind oder nicht. Die Datei der Bank ist sorgfältig und verwahrt die Daten der Abhängigen und Unabhängigen. Dabei bleibt es nicht. Die der Bank bisher Unbekannten könnten aktiviert werden – nicht nur von dem Bankinstitut selbst, sondern von Geldgebern, die mit den Daten vielleicht mehr anfangen können. Voraussetzung ist, dass sie dafür bezahlt haben. Für jede Generation bestehen Prioritäten, die individuell in Kraft treten und Geld bringen können.

Es bleibt eine harmlose Feststellung, wenn der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank darauf hinweist, dass viele der elf Millionen Kunden ihr Konto öfter nutzen würden als die Website von Amazon (vgl. Sewing, Ch.; Vorstandsvorsitzender). Er spielt auf die Online-Versandriesen aus den Vereinigten Staaten an, die seit Jahren Milliardengewinne einfahren. Dazu reicht es nicht nur Bücher zu verschicken. Das Wissen über die Vorlieben der Kunden „muss“ versilbert werden. Dabei haben sich die deutschen Kreditinstitute bislang zurückgehalten. Das wollen diese ändern. Nachdem Konzerne wie Amazon, Google und Apple Bankdienstleistungen in ihre Portfolios aufgenommen haben, beginnen deutsche Kreditinstitute mit der Plattformökonomie. Sie verfolgen das Motto: Wir müssen uns nicht alles selbst ausdenken, aber wir müssen unseren Kunden die Dienste bieten, die sie sich wünschen – so, als kämen sie von uns. Der Berichtende bewegt sich noch immer im harmlosen, für jeden Deutschen nachvollziehbaren Bereich.

Die Aktivierung des unvermutet Unbekannten für weitere Kundendaten

Die Deutsche Bank versucht ihren Privatkunden mit dem Online-Banking die Dienste verschiedener kleiner, als Fintechs deklarierter, Start-ups anzubieten. Dazu werden Kundendaten eingesetzt. Die Fintechs können darüber verfügen. Über den Zinspilot-Macher Deposit Solutions kann Geld zu besseren Zinssätzen im Ausland angeboten werden. Unter Bezug auf die Kundendaten können die Konten der Kunden auf überteuerte Versicherungen durchsucht werden. Die ING-Diba kooperiert gleichsam mit dem Münchener Robo-Advisor Scalable Capital, so dass ihre Kunden von der vollautomatisierten Anlageberatung profitieren können. Das kann für die Kunden von Vorteil sein. Sicher ist, dass die Institute und ihre neuen Abhängigen damit zusätzliches Geld verdienen.

Dahinter steht die Erkenntnis, dass sich junge Fintechs neue Dienste ausdenken können, während die traditionellen Banken mit ihren Millionen Kunden und deren Vertrauen in altbekannten Marken punkten können: Das Wichtigste, was wir haben, sind unsere Kunden. Mit dem Girokonto stehen Banken mitten in ihrem Leben. Banken sehen aus den Kundendaten, was gekauft wird, was Kunden mieten, was sie abonnieren. Das sind hochrelevante Informationen, um die im Datenzeitalter viele die Institute beneiden (vgl. Sewing ebda.). Dabei verschweigt er den Paradigmenwechsel der Bankinstitute. Deren Banker haben lange staunend beobachtet, wie offen die Nutzer von Smartphones mit ihren Daten umgehen. Großzügig haben sie diese mit den Technologieriesen im Silicon Valley geteilt. Informationen, wo sie gerade sind, mit wem sie wie lange telefonieren und wem sie welche Fotos schicken, erfolgten freiwillig und freizügig. Vor Jahrzehnten wehrten sich die gleichen Gruppen mit Vehemenz gegen die Volkszählung des Bundes. Nun wollen Bankinstitute aus dieser neuen Offenheit Profit schlagen.

Unkonventioneller Zugang zu Daten aus Finanztransaktionen

Vielen Deutschen ist nicht bewusst, welche Kundendaten die eigenen sind und wie weitere erlangt werden können. Dabei muss Verblüffendes zur Kenntnis genommen werden: Nicht die digitalen Daten sind es. Diese sind sekundär im unteren Bereich des Lebens verschwunden und nur noch das Ergebnis materieller Vorarbeit. Beispiele gibt es viele:

  1. Die Generation Z (8 – 18 Jahre alt) ist heute zum großen Teil auch nicht geschäftsfähig. Dennoch ist sie Zielgruppe von Bankinstituten, Social Media Teams und Start-ups. Diese jungen Menschen werden vorbereitet, damit sie wissen, was sie tun können, wenn sie ohne Eltern Geschäfte tätigen dürfen – ab dem 16. Lebensjahr!
  2. Mieter von Fahrrädern im Sharing denken zuletzt an verfügbare eigene Kundendaten – und doch: Sie haben sie hergegeben, als sie das Fahrrad mieteten. Ein Unternehmen aus Singapur hat in deutschen Großstädten Fahrräder zur Verfügung gestellt, die digital gemietet werden konnten. Das Vermietungsunternehmen ist insolvent. Es wurde bekannt, dass dies von Anfang an Absicht war. Über Crowdfunding finanzierte Fahrräder sind weniger wert als die damit gewonnenen Daten.
  3. Materiell erfassbare Güter haben heute u. U. geringeren Wert als von diesen erzeugte digitale Daten. Autonome Kraftfahrzeuge funktionieren normalerweise ohne Eingreifen des Fahrers. Der Fahrer bleibt in Europa rechtlich in der Verantwortung – während seine persönlichen Daten stetig für Fremde gesichert werden. Deutschland ist nicht der Inbegriff der Digitalisierung. Hier gibt es noch Kreditkarten, sogar Bargeld. In China sind Kreditkarten unbekannt, Bargeld sowieso schon lange. Zahlungen erfolgen mit Daten des Smartphones und auch diese werden bald verschwinden. Körperlich gesicherte Daten reichen, um in einem Laden als zahlungsfähiger Kunde erkannt zu werden. China propagiert die Gesichtserkennung – da sei in Europa die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) dagegen.

Möglichkeiten

Ganz neue Möglichkeiten verschafft den europäischen Banken die Anfang 2018 in Kraft getretene Zahlungsdienstrichtlinie PSD2. Banken hatten in diesem Regelwerk die Gefahr gesehen, dass sie anderen digital arbeitenden Unternehmen Zugriff auf die Daten ihrer Kunden gewähren müssen. Das machen sie mittlerweile mit Vorteilen selbst. Digitale Anfragen bei der Konkurrenz sind erlaubt. Soll es der Kunde verbieten. Der Multi-Banking-Aggregator macht es möglich. Fast alle deutschen Banken und Sparkassen bieten ihren Kunden die Möglichkeit, mit Online-Banking Bankverbindungen zu verwalten. Kunden einer Bank können über deren Plattform ihre Konten und  Wertpapierdepots bei Mitbewerbern einsehen. Die Bank guckt mit – und verwertet die vorhandenen und entstehenden Daten. Beim nächsten Beratungsgespräch eines Kunden in der Filiale weiß der Berater, besser: Dienstleistungsverkäufer, auf welches Thema er diesen ansprechen sollte.

Fazit

Die nächste Erlebnisstufe steht bevor: Der Kunde kann quantentechnisch als Lohn einen Nachmittag im Himalaya verbringen und zum Frühstück zurück sein (vgl. Schwägerl, Ch.; Die analoge Revolution – TU Berlin). Kreditinstitute als Plattformen schaffen sich Informationen und können weitere über ihre Kunden sammeln. Es ist nicht allein das Sammeln von Wissen. Die Machtstellungen von Check24 oder Interhyp führt die Institute zu dem Drang, ihre Stellung gegenüber ihren Kunden zu behaupten. Bei Finanzprodukten auf Plattformen im digitalen Supermarkt sind Zulieferer austauschbar (vgl. Sewing ebda.). Aktuell sind deutsche Banken im Hintertreffen. Wirecard wird die  Commerzbank im DAX ablösen. Technologiekonzerne können Ansporn bewirken. Die Datenanalyse rückt in die Mitte des Geschäftsmodells konventioneller Banken (vgl. Zielke, M.; Vorstand Commerzbank). Am Ende werden sich die Banken durchsetzen, die ihren Kunden am schnellsten die passenden Produkte anbieten könnten. Da müssen nun nur noch die Kunden mitspielen.