Die Jahrestagung von IWF und Weltbank führte zu vielen Schlussfolgerungen für Anleger.

Zunächst werden IWF und Weltbank in ihren Prognosen zunehmend vorsichtiger.

Unsicherheiten am „Horizont“ haben die Bewertungen der Zukunft auf allen Erdteilen mit Vorsicht besetzt. Das war am Ton der diesjährigen Tagung von IWF und Weltbank in Bali erkennbar. Die wichtigsten Schlussfolgerungen aus den Gesprächen zeigen, dass einige Staaten in ihrer Wirtschaftsleistung die Voraussagen der letzten Monate nicht werden erfüllen können (vgl. Rahman, L.; Global Head of Sovereign Credit, PIMCO- 2018-11-15). Die betroffenen Staaten werden über die kommenden Jahre auf dem Arbeitsmarkt zurechtkommen müssen. Das wird Deutschland einschließen. Es genügt nicht Arbeitskräfte aufzurufen oder zu sagen, dass es uns leid tut, weil niemand sie findet. Lösungen müssen unpassende Qualifikationen an die offenen Stellen anpassen. Diese kann es an anderen Stellen, wie südlichen Staaten der EU, geben. Dieses Schicksal wird nicht alle Unternehmer und ihre Institutionen treffen. Es bedarf der Abstimmung, um die richtigen Entschlüsse zu fassen (vgl. Bernau, P.; FAZ – 2018-11-17).

Bedeutung der weltweiten Einschränkungen

Für Unternehmen, Anleger und Verbraucher ist es von Bedeutung, welche Maßnahmen oder  Verzichte diese Auswirkungen auf die Zielaktivitäten haben. Diese sind gleichgerichtet, äußern sich aber in unterschiedlicher Form:

  1. Unternehmen entwickeln für das Bestehen in der Zukunft digitale Strukturen und benötigen in der Folge mehr Arbeitskräfte als ohne diese.
  2. Anleger erwarten, dass die boomende Wirtschaft sich auf die Unternehmensentwicklung auswirkt und den Außeneindruck durch steigende Erträge (= Aktienkurse) belegt.
  3. Verbraucher brauchen diese Erkenntnisse nicht zu haben oder aufzubauen, da ihre Ziele in wirtschaftlich gesicherten Tätigkeiten – als Arbeitnehmer oder Selbständiger – liegen.

Es ist wichtig, die Makroperspektive einzunehmen, um langfristige Entwicklungen fassen zu können: Wieso glauben Verbraucher, dass der technische Fortschritt dazu führt, dass damit Arbeitsplätze und Geschäftsmöglichkeiten abgebaut werden oder – von anderen Betrachtungen ausgehend – es so viel wie bisher oder mehr Beschäftigungsmöglichkeiten gibt?                                          (vgl. Precht, R. D.; Bernau, P.; Budras, C.; FAZ 2018-11-18).

Bedingungen des Umfelds

Die Bedingungen des Umfelds müssen Arbeitsplatzverluste kompensieren können. Dazu gehören  wachsende Märkte. Effektivere Produktionen sollen mehr Märkte schaffen, damit Verbraucher in der Lage sind, die größere Zahl von produzierten Dingen zu erwerben. Dazu reicht es nicht den eigenen Landkreis zu beleuchten. Europäische Unternehmen produzieren für die Welt und in anderen Erdteilen. Die ersten drei industriellen Revolutionen hatten stark wachsende Märkte und, global gesehen, wenige Konkurrenten. Dieser Prozess scheint heute abgeschlossen. Die Volkswirtschaften von zwei Milliarden Menschen konkurrieren mit früher bereits bekannten Produkten heute um das, was noch zu holen ist – für 7,5 Milliarden Menschen!

Entwicklungen

Wenn der „Kopf erhoben wird“, wird für Betreffende erkennbar, dass die Entwicklungen heimischer Industrien sich in anderen Erdteilen etabliert haben. Mr. Trump hasst europäische Autos, weil er meint, dass diese US-amerikanische Produktionen gefährden. Er übersieht, dass die relevanten Autos in „seinem Land“ hergestellt werden – mit den „benachteiligten“  Arbeitskräften, meist seinen Wählern. Damit sind dort – wie in anderen Staaten Amerikas und Asiens – die Verbraucher gesichert. Der makroökonomische Ausblick für die Weltwirtschaft ist positiv. Die Wachstumsprognose für 2019 sieht weltweit eine Abschwächung auf 3,5 Prozent vor. Das Wachstum wird bei relativ soliden Quoten bleiben und die globale Inflation in den Industrieländern und den meisten Schwellenländern unter Kontrolle halten (vgl. Rahman, ebda.).

Die Ausweitung europäischer und asiatischer Industriezweige auf Afrika bringt weiteres Wachstum in die Welt, das dortigen Arbeitskräften dienen wird. Selbst wenn es mehr Wachstum in Afrika geben sollte, heißt das noch lange nicht, dass die Europäer „das Rennen machen“. Das schmälert nicht die Aussichten der dortigen Verbraucher oder Arbeitstätigen, sondern Anleger, die in ursprünglich heimischen Unternehmen investiert haben.

Bestrebungen der Anleger

Die Handelsspannungen zwischen den USA und China werden mit vielen Diskussions- und Verhandlungszyklen anhalten. Dies wird anders sein als beim Freihandelsabkommen zwischen den USA, Mexiko und Kanada USMCA, also NAFTA 2.0. Entscheidungsträger und Anleger erwarten die „schleichende“ Aufwertung des chinesischen Yuan gegenüber dem US-Dollar. Ein „Währungskrieg“ wird durch stellvertretende „Kriege um Einflussbereiche“ zwischen den USA und China ersetzt. Pakistan hat einen chinesischen Kredit erhalten. Dortige Gegenreaktionen und in den Schwellenländern gegen die chinesische Finanzierung von Großprojekten sind die Folge. Die Finanzierungsbedingungen werden als unvorteilhaft und undurchsichtig angesehen.

Das Zusammentreffen einer restriktiven US-Notenbank, eines stärkeren US-Dollars, der Handelsspannungen und landesspezifischer Faktoren der Schwellenländer lässt viele Anleger bei der Übernahme großer zielgerichteter „Wetten“ auf die Anlageklasse vorsichtig bleiben. Bei den im Jahr 2019 bevorstehenden Wahlen in Indien und Indonesien sind die Anleger vorsichtig, auch wenn das Basisszenario zum Wahlergebnis eine politische Kontinuität vorsieht.

Indien

In Indien herrscht das Gefühl, dass die amtierende Regierung nicht genug getan hat, um Reformen voranzutreiben. Anleger fragen sich, ob der Ausverkauf in den Schwellenländern das Warnsignal für andere Kreditsektoren ist, insbesondere für das US-High-Yield-Segment, in dem die Bewertungen relativ eng aussehen. Die moderate Korrektur an den Aktienmärkten hat die Skepsis der Anleger erhöht. Im Hinblick auf die US-Notenbank oder die globalen Handelsspannungen ist Vorsicht angesagt.

Für europäische Unternehmen ist „unsere“ Wirtschaft eine Bedarfs-Weckungs-Ökonomie. Führungskräfte  versuchen mehr zu produzieren, um Leute zu Käufen von Dienstleistungen und Produkten zu ködern. Das kann funktionieren, wenn die Kaufkraft entsprechend ist und bleibt. Neue Technologien erhöhen die Produktivität. Das führt zu geringeren Produktionskosten mit niedrigeren Preisen und  hat die höhere Nachfrage nach Gütern zur Folge. Die Nachfrage nach Arbeitskräften steigt. Das führt zu Wachstum und steigenden Einkommen (vgl. Precht ebda.).

Fazit

Die entscheidende Frage ist , ob von den Unternehmen präsentierte sinkende Preise zu höherer Nachfrage führen. Aufgrund des weltweit erkennbaren Materialparadoxon ist dies keine Erkenntnis, die IWF und Weltbank beunruhigen könnten.  Es gab seit Jahrzehnten Hypothesen, dass der Bedarf der Menschheit  gedeckt sei – präsentiert mit welchen Interessen auch immer!  „Sauberes“ Wachstum sollte auf internationaler Ebene klimaschädliche Emissionen und Ressourcenverbrauch vermeiden. Mit dieser Lehre ist zunächst in den USA anzufangen. IWF und Weltbank sprechen primär für Anleger und Unternehmen. Am Maßstab der Welt gemessen, können materielle Bedürfnisse nicht gedeckt sein – nicht nur mit einem Blick nach Afrika!