In 2018 ist die Zahl der verspäteten oder abgesagten Flüge über dem Durchschnitt gestiegen.

Flugausfälle sollen mit Bußgeldverfahren gegen Fluggesellschaften die Konsequenzen sein.

Die Aktivitäten des Teams Mobilität und Reisen bei der Verbraucherzentrale Bundesverband

(VZBV) zielen auf das Dokumentieren von Mängeln im Flugverkehr. In der Folge entstehen meist Schadensersatzansprüche für Fluggäste. Die Fluggesellschaften müssen sich gegenüber von Verbraucherschützern vertretenen Fluggästen verpflichten, für diese Entschädigungsansprüche bei Verspätungen und Annullierungen zügig, einfach und online-basiert zu erbringen (vgl. Jungbluth, Marion; VZBV).

Passagiere haben ein Recht auf Entschädigungsleistungen bei einem Flugausfall. Dabei ist zu berücksichtigen, ob es sich um eine EU-Fluglinie handelt und Start oder Landung in der EU erfolgt. Bei Nicht-EU-Fluglinien gilt die Maßgabe des Starts in der EU. Weitere Voraussetzungen: Sie wurden nicht mindestens 14 Tage vor Abflug über den Flugausfall informiert und es liegen keine „außergewöhnlichen Umstände“ vor.

Zum Ausgleich der Flugausfälle besteht in der EU das Recht auf Ersatz der Ticketkosten, auf eine finanzielle Entschädigung und auf Betreuung am Flughafen. Letztere muss Verpflegung bei längeren Wartezeiten am Flughafen umfassen. Um diese Rechte bei einem ausgefallenen Flug wahrnehmen zu können, muss der Flug in der EU starten oder enden (s. o.). Endet der Flug in der EU, ist der Rechtsanspruch gesichert, wenn die Airline ihren Hauptsitz in der EU hat. Viele betroffene Passagiere kennen ihre Rechte nicht und lassen sich durch nicht sachgerechte Erklärungen der Fluglinien abspeisen.

Die Entschädigungsleistung für einem Flugausfall beim Verschulden der Fluglinie beträgt bis zu

  • € 250 bei einer Flugstrecke bis 1.500 km
  • € 400 bis zu 3.500 km
  • € 600 bei mehr als 3.500 km.

Individuelle Probleme mit zahlreichen Gesellschaften

Ansprüche gegen viele Gesellschaften leiden unter fehlender Anerkenntnis und unter deren Versuchen die Probleme individuell auszusitzen. Zudem müssten Schlichtungssprüche anerkannt werden. Es sollte das Bestreben der Bundesregierung bei Unternehmen sein, die sich nicht freiwillig „bewegen“, automatisiert Entschädigungszahlungen durchzusetzen. Aktuelle Zahlen des Luftfahrt-Bundesamts (LBA) verweisen auf Passagierbeschwerden, die bei der Bundesregierung immer wieder erfragt werden. Nach diesen Angaben hat das LBA von Januar bis September 2018 Ermittlungen bei 824 Beschwerden von Passagieren eingeleitet.

Es ist richtig, dass nicht alle Gesellschaften Flugausfälle in gleicher Art ignorieren. Große Gesellschaften mit Reputation sehen sich verpflichtet Unregelmäßigkeiten schnell durch Zahlungen auszugleichen. Da alle Gesellschaften gleichbehandelt werden müssen, stechen die weniger kooperativ Tätigen hervor.

Nicht beeinflussbare Einflüsse auf Start, Verlauf und Landung von Flugzeugen

Unabhängig davon müssen Unabwägbarkeiten berücksichtigt werden, unter denen alle Fluggesellschaften zu leiden haben. Dazu zählen Unwetter, die ebenso Flugausfälle verursachen wie administrative Probleme bei der Abwicklung von Fluggästen am Boden.

Jedes Jahr gibt es neue Passagierrekorde und die Anzahl der realisierten Flüge steigt. Im Jahr 2018 sind im Oktober des Jahres bereits mehr Flugausfälle zu konstatieren als im Jahr 2017. Bei immer enger getakteten Flugplänen kommt es zum Problem von Flugzeitänderungen und Ausfällen. Wieso kommt es zu Flugausfällen, die nach den genannten Vorgaben zu den o. b.  Entschädigungen führen? Die Gründe für Flugausfälle können vielfältig sein und aus einer unglücklichen Verkettung von Ereignissen resultieren. Mögliche Gründe für Flugausfälle sind:

  • Technische(r) Defekt /e am Flugzeug

Erst nach einer Reparatur und erneuten Sicherheitscheck darf das Flugzeug abheben.

  • Operationelle Gründe
  1. Flugausfall wegen Anpassung des Flugplans an die Nachfrage
  2. Arbeitszeitbegrenzung der Crew: zu lange im Einsatz, sie darf nicht mehr fliegen
  3. Ersatz nicht organisierbar mit der Folge: der betroffene Flug wird häufig gestrichen.
  • Ein anderer Flug benötigt das Flugzeug
  1. Dieser Grund ist eine Mischung aus den beiden erstgenannten Einschränkungen.
  2. Es ist möglich, dass Airlines die Maschine eines anderen geplanten Fluges nutzen.
  3. Glück für die einen, Pech für die anderen, deren Flug deshalb annulliert wird – wenn der Rückflug gewährleistet werden soll oder die Auslastung höher ist!
  • Extreme Wetterbedingungen

Unwetter sind extern schwer der Schuld an einem Flugausfall zuzuordnen. Gründe:

  1. Wetter am Start, aber auch am Zielflughafen.
  2. Eingesetzter Flugzeugtyp (Größe der Maschine entscheidet bei starkem Wind)
  3. Prognostizierte Länge des Unwetters und der Flughafenkapazität
  4. Probleme am Flughafen aufgrund der beanspruchten und bereists belegten SLOTS.
  • Streik der Sicherheitsmitarbeiter, Pannen in den Computersystemen, Sicherheitsverstöße a) In jüngster Zeit sind diese Fälle mehr als früher eingetreten
  1. b) Gründe für Flugausfälle, die von der /den Airline /s nicht zu ändern sind.

–       Probleme bei der Flugsicherung /Personalkapazitäten

  1. a) es kann (selten) zu Kapazitätsproblemen bei den Fluglotsen, wie Krankheit kommen
  2. b) Flüge dürfen dann aus Sicherheitsgründen nicht durchgeführt werden
  3. c) diese Gründe für Flugausfälle nehmen wegen mehr Flugbewegungen zu
  4. d) die Ausbildung der Fluglotsen dauert einige Jahre.

–        Streiks von Piloten, Kabinencrew(s) oder anderen Berufsgruppen

Je nach Streikbeteiligung können Airlines über Tage lahmgelegt werden – s. Ryanair.

  • Europa gerät aus dem Takt

Sommer- und Winterzeit

Zu Beginn von Frühjahr und Winterzeit wird jeweils am international festgelegten Wochenende in der Nacht von Samstag auf Sonntag „die in dem jeweiligen Staat geltende Uhrzeit“ eine Stunde vor- oder zurückgestellt – ein seit Jahrzehnten übliches Ritual!

  1. für etwa fünf Monate gilt jeweils die Winter-, für etwa sieben Monate die Sommerzeit
  2. es wird überlegt, ob sich das ändern sollte – nicht gleich, aber im nächsten Jahrzehnt
  3. die Abschaffung der Zeitumstellung wird diskutiert – dabei droht Chaos.
  4. aufgrund eines EU-Bürgerbegehrens, an dem sich online ca. 0,8% der EU-Bürger, davon 80% (= 0,64%) aus Deutschland beteiligten, haben 84% die Abschaffung der zweimaligen jährlichen Zeitumstellung vorgeschlagen. Die EU-Kommission will die Entscheidung jedem Staat überlassen: Jeder soll – nach mehrheitlicher Abstimmung im EU-Parlament – ab dem kommenden Jahr selbst entscheiden, ob dauerhaft Sommer- oder Winterzeit festgelegt wird. Das bisherige Meinungsbild ist gespalten.
  5. Mündet das Ganze in einen Flickenteppich? Es gibt aktuell drei Zeitzonen in der EU.

Gravierend wären neue unterschiedliche Zeitzonen für die staatlichen Bahnen, aber ohne technische Problematik. Fahrpläne des grenzüberschreitenden Verkehr sind zu ergänzen.

Problematischer sähe es im in diesem Beitrag relevanten Flugverkehr aus. Die deutsche Luftverkehrswirtschaft fordert eine einheitliche Regelung. Der „drohende Flickenteppich“ von einzelnen nationalstaatlichen Regelungen würde Flugplanung von Fluggesellschaften und Flughäfen durcheinanderbringen. Es besteht das akute Risiko, dass gegenwärtig angebotene Flugverbindungen so nicht mehr darstellbar sind (Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft).

Fazit

Gerade Änderungen in den Zeitzonen hätten gravierende Auswirkungen auf den europäischen Flugverkehr. Flugausfälle lassen sich in Ergänzung zu den dargelegten Gründen zusätzlich nicht vermeiden. Dazu kommt der ersatzlose Wegfall von bisher bedienten Verbindungen. Die Gründe werden administrativ und /oder wirtschaftlich sein. Zum Teil werden sich Flugpreise erhöhen. Nachtlandeberechtigungen wären mit Sicherheit nur eingeschränkt realisierbar.

Andererseits wäre eine einheitliche Zeitzonen-Regelung wie in China nützlich:
Das Land hat seit 1949 die Zeitzone CST, die auf Lebensbelange bei gleichem Abstand zur Koordinierten Weltzeit (UTC) keine Rücksicht nimmt. Kanada und die USA haben ihre Länder in sechs /fünf Zeitzonen aufgeteilt, die sich an den Grenzen der Bundesstaaten orientieren und regelmäßige, gleich getaktete Zeitumstellungen parallel zur EU. Einfacher wäre das für Europa auch. Flugausfälle würden seltener. Auszuschließen sind diese bei wachsendem Flugmarkt auch bei bester digitaler Unterstützung nicht.