Wer in früher Jugend beginnt fürs Alter zu sparen, muss lange säen und gießen, bevor er mit Beginn des Lebens im Ruhestand ernten kann. 30 bis 45 Jahre des Sparens gehen vorüber, bevor der Ruhestand mit Lebensqualität gestaltet werden und das aufgebaute Vermögen genutzt werden kann (vgl. Scherff, D.; FAS – 2018-11-25). Der  Gesetzgeber hat die minimalen 45 Jahre Mitgliedschaft als Beitragszahler – als Arbeitnehmer oder freiwillig – gesetzt, um Rentenzahlungen im höchstmöglichen Umfang zu erhalten. Wer es richtig anstellt, kann davon sehr lange ziemlich gut leben, wenn sich die Zukunft so entwickelt, wie Mitteleuropäer glauben.

Der Beginn des Ruhestands ist in den letzten Jahrzehnten auf die Vollendung von 67 Lebensjahren erhöht worden. Herr Schäuble plädiert seit zwei Jahren für das 70. Lebensjahr. Im Hinblick auf die Lebenserwartung in Deutschland – an der 16. Stelle im Vergleich aller aktuell 27 EU-Mitgliedsstaaten –plädiert die EU für das 74. Lebensjahr. Dem hat sich die FDP unter der Maßgabe angeschlossen, dass körperlich Belastete (nicht: Behinderte) für sich früher – spätestens zum 60. Lebensjahr – den Beginn des Ruhestandes begründet fordern könnten. Daran ist der Umfang der Kapitalanforderung für die Betroffenen zu koppeln.

Wirtschaftliche Ruhestandsgestaltung

Um den Überblick für die nächsten Jahrzehnte zu gewinnen, sollte die Grobplanung für den Ruhestand spätestens im Alter von 55 Jahren beginnen. Die letzten Jahre des Berufslebens könnten so genutzt werden, um alle Vermögenswerte auf den nahenden neuen Lebensabschnitt umzustellen. In dieser Zeit könnte der Anteil langfristig kündbarer Kapitalprogramme und Sachwerte vermindert werden. Für die Planung sind vier Fragen von Bedeutung:

  1. Wie viel Geld steht zur Verfügung?
  2. Wie viel Geld wird jeden Monat zum Leben benötigt?
  3. Welche Risiken will der im Ruhestand Lebende eingehen, damit vom Vermögen wenig aufgebraucht wird oder sich dieses in der Zukunft vermehrt?
  4. Wie flexibel soll über die angesparten Vermögenswerte verfügt werden?

Der Aktienanteil in einem Vermögen – so er bei Deutschen gebildet worden ist – kann im Vergleich zu Geldwerten mit größerem Wachstum aufgebaut worden sein – Bankaktien und langfristig solche von Telekom sind dafür aktuell schlechte Beispiele. Wie viel in Geldwerten ausgedrückte Vermögenswerte zur Verfügung stehen – in der Sparbilanz des Berufslebens – lässt sich erst im Ruhestand ermitteln, vorher aber grob schätzen. Einnahmequellen sind neben der gesetzlichen und ggf. betrieblichen Rente private Lebens- und Rentenversicherungen, Riester- und Rürup-Renten. Über die zu erwartende Höhe geben die jährlichen Mitteilungen der  Versicherungsgesellschaften keine Garantien.

Die Werte aus Aktien, Fonds und anderen Teilen des Depots sowie der selbst genutzten  Immobilie sind getrennt zu bewerten. Mieteinnahmen abzüglich noch vorhandener Belastungen aus Hypotheken kommen bei fremdgenutzten Immobilien hinzu. Wird das selbst genutzte Haus an die Bank abgetreten und der Gegenwert in monatliche Rentenzahlungen umwandelt, kann dieses vom Rentner weiter bewohnt werden, bringt aber Einnahmen. Geplante Nebentätigkeiten können hinzukommen. Abzuziehen ist von diesem so ermittelten Vermögen ein geplantes Erbe, das nicht für das Leben im Ruhestand angetastet werden sollte.

Nun muss der finanzielle Bedarf im Ruhestand mit einem Haushaltsbuch ermittelt werden. Es muss an den Ruhestand angepasst werden. Ggf. entfallen Kosten wie fürs Pendeln zur Arbeit oder Kreditkosten. Andere Aufwendungen wie für Reisen und die Freizeitgestaltung werden steigen. Ein Puffer für nicht erwartete Einmalausgaben ist einzuplanen. In der Folge ist aus dem vorhandenen Vermögen und dem nötigen Bedarf eine Anlagestrategie zu entwerfen, die für den gesamten Ruhestand halten soll.

Definition der Zukunft im Ruhestand

Der Planungshorizont für das Leben ist ergänzend zu beachten. Die Lebenserwartungen können aus medizinischer und statistischer Sicht Hilfestellungen geben. Demnach lebt eine 65-jährige Frau derzeit im Durchschnitt noch 21 Jahre, also bis 86. Die gleichaltrigen Männer haben noch knapp 18 Jahre vor sich. Die Differenz wird sich während jeder Dekade vermindern. 25 Prozent schaffen es 90 Jahre, fünf Prozent bis fast 96 Jahre (Männer) und 98 Jahre (Frauen). Die aktuellen medizinischen Erkenntnisse sehen im hundertsten Lebensjahr keine Grenze. Für Neugeborene sind 105 Jahre im Durchschnitt (= 50 % der Geborenen) zu erwarten. Ein Planungshorizont mit  überraschend langer Lebensdauer bleibt als Grundstock zum Leben (vgl. Scherff ebda.).

Wer keine Risiken akzeptiert, verbraucht sein Vermögen in kurzer Zeit oder erhält nur geringe Auszahlungen. Ein angespartes Vermögen von 500.000 Euro auf einem Girokonto bringt über 30 Jahre im Jahr ohne Rendite nur etwa 16.700 Euro. Das ist fatal, denn mit 20 oder 30 Jahren ohne Verzinsung verzichten Rentner auf gewaltige Einnahmen im Ruhestand. Mit anderen Strategien sind bis zu 69.000 Euro pro Jahr möglich (vgl. Weber, M.; Lehrstuhl der Finanzprofessur an der Universität Mannheim).  Riskantere Anlagestrategien können mit Simulationen ermittelt werden.

Mit einer anderen Variante kann das gesparte Vermögen zu Beginn des Ruhestands in eine Sofortrente umgewandelt werden. Dann bezahlt die Bank bis zum Tod eine festgelegte monatliche Garantierente und teilweise bei sehr frühem Tod auch noch an die Angehörigen. Es wird eine planbare Mindestrate gezahlt, die durch Überschüsse noch steigen, aber nicht sinken kann. Bei frühem Tod geht ein Teil des Kapitals verloren. Die Rendite ist schlecht, kann sogar negativ sein. Alternativ lässt sich das Vermögen auch in sicheren Staatsanleihen anlegen. Daraus lässt sich die Alternative des von der EU geplanten gesamteuropäischen Markts für Altersvorsorge betrachten. Geht es nach der Brüsseler Behörde, soll ein europaweites privates Altersvorsorgeprodukt (PEPP) mit besserer Harmonisierung entstehen.

Fazit

Als Schlussbetrachtung sei auf den vom  Europa-Parlament und den nationalen Regierungen in den Trilog-Prozess eingebundenen Prozesse hingewiesen. Verbraucherschutzverbände signalisieren Skepsis – auch mit dem grundsätzlichen Ziel eines gemeinsamen Marktes oder standardisierten Produkte für die Altersvorsorge.

Parallel sei auf die flexiblen Möglichkeiten hingewiesen, wenn Rentner bereit sind, im Ruhestand über Fonds in Aktien zu investieren. Die Sorge wegen des Risikos mit Aktien verringert sich bei langem Zeitrahmen von 20 oder 30 Jahren. Kostengünstige Indexfonds (ETF) – haben so gut wie kein Risiko, dass Vermögenswerte bei kontrollierter Entnahme verbraucht werden.

Als letzte Alternative können Auszahlungen gedeckelt werden. Auch in guten Börsenzeiten wird nur nach Vorplanung ausbezahlt. Ein Puffer baut sich dann für schlechte Börsenzeiten auf.  Das würde bei einem anfänglichen Vermögen von € 500.000 Euro eine fast risikofreie Auszahlung von € 20. 000 Euro im Jahr ermöglichen. Seriös sollten für fast alle Deutschen die Auszahlungen aus Rentenzuflüssen berücksichtigt werden. Dazu wäre nach 30 Jahren das Vermögen auf etwa vier Millionen Euro angewachsen. Die Erben hätten nichts dagegen.