Ist der Ruhestand ein Traum des Arbeitslebens, das erst dann als Erfüllung zu genießen ist?

Die Rente ist ungerecht, da Junge zu viel zahlen müssen und die Alten zu wenig Geld bekommen.

Wenn sich alle über die Rente ärgern, ist die Gegenfrage erlaubt, weshalb sie gefordert wird.  Dürfen Bürger die Rente als Altersvorsorge betrachten und wie soll sie künftig funktionieren? Was berechtigt unsere Zeitgenossen am Anfang des siebten Lebensjahrzehnts auf das Recht einer  früher zu zahlenden Rente zu pochen, die das Recht beinhalten soll das Leben zu genießen? Was ist das Leben in Deutschland?

Seit dem Jahr 2002 dürfen frühere Arbeitnehmer die Früchte der Euros vom Baum pflücken. Vorher mussten sie es mit DMs versuchen. Haben alle vorherigen Arbeitnehmer das Recht erlangt den Ablauf des Lebens mit einer frühen Rente von möglichst oder in fast unendlicher Länge im selbst geschätzten Umfang zu bestimmen? Aus den Darstellungen ist zu erkennen, dass die Leistung von Rentenzahlungen mit Fragen behaftet ist. Zukünftige Senioren sehen die wahre Verlockung darin selbst zu bestimmen, wie das Leben einzuteilen ist. Wenn die Bewohner in Deutschland an ihre Vorgänger vor 100 Jahren zurückdenken, hatte die Rente die Aufgabe den Menschen zu helfen, die das Arbeitsleben überlebt und nun keine Möglichkeit mehr hatten für den erzwungen Ruhestand die wirtschaftliche Besicherung zu gestalten. Vor der Zeit der ersten Industrialisierung gab es diese Möglichkeit nicht. Die Nachkommen hatten für die Älteren zu sorgen bis diese dahinschieden.

Erwartungen für das Leben

Heute blicken die Bewohner dieses Landes über dessen Grenzen und die Ausdehnung von Europa hinaus, lernen andere Erdteile kennen. In vielen Ländern ist es noch so wie in Deutschland vor mehr als 190 Jahren als etwa im Jahr 1835 die Industrialisierung und die Arbeit bei fremden Unternehmen begann. Im Zeitraum des Ersten Weltkriegs lagen die Lebenserwartungen von Neugeborenen zwischen 45 und 50 Jahren. Das 65. Lebensjahr – meist als Beginn des Siechtums – wurde von den meisten Deutschen als Rentenbeginn nicht erreicht. In Russland beträgt die heutige mittlere Lebenserwartung noch 66 Jahre. In Deutschland werden im Jahr 2018 von Männern und Frauen im Mittel 80 Jahre überschritten. 15 Jahre Rentenbezug sind „drin“. Neugeborenen wird in Deutschland von medizinischer Seite eine mittlere Lebenserwartung von mehr als 100 Jahren unterstellt. Die Faustformel: pro Dekade wächst die Lebenserwartung um etwa 2,5 Jahre.

Die Regelaltersgrenze der Bismarck’schen (Pflicht-)Invaliditäts- und Alterssicherung für Arbeiter von 1889 lag beim vollendeten 70. Lebensjahr (nach 30 Beitragsjahren). 1916 wurde die Regelaltersgrenze für Arbeiter und Angestellte entsprechend dem seit 1911 geltenden  Versicherungsgesetzes für Angestellte einheitlich auf das 65. Lebensjahr festgelegt. Der Beginn des Ruhestands deckte sich erst dann mit der mittleren Lebenserwartung von Männern – dem 1916 definierten 65. Lebensjahr! Bis zum Jahr 2007 galt diese Grenze. Das „Rentenversicherungs-Altersgrenzenanpassungsgesetz“ setzte den Rentenbeginn auf die Vollendung des 67. Lebensjahrs.

Renteneintritt

Als Faustformel ist daraus zu schließen, dass bis 1948 die Minderheit der Bürger den Renteneintritt erreichte. Danach konnte von der Hälfte ausgegangen werden. Die nicht überraschende Demographie geht heute von einer mittleren Rentenlaufzeit über mehr als 20 Jahren aus. Im Jahr 2030 werden 25 Jahre überschritten werden. Die erforderlichen Mittel müssen vorhanden, d. h. von Arbeitnehmern während ihres Arbeitslebens angespart worden sein.

Arbeitnehmer definieren diesen Zeitraum als „nicht mehr arbeiten, dafür golfen und reisen, tun und lassen, was das Herz begehrt!“ Die Biologie hat noch einen Einwand: wer länger arbeitet und seinem gesunden Körper Anstrengungen abverlangt, lebt statistisch gesehen länger. Für Selbständige und Arbeitnehmer ändert dies nichts an den Leistungen der Versorgungs- und Rentenkassen. Für diese Altersgruppe mit abweichender Lebensphilosophie steigt der Wohlstand bis zum körperlichen Abbau, der im Vergleich zu anderen, nicht mehr Tätigen, später eintritt. Der aktuelle Wohlstand unseres Landes macht es möglich die Renten wie versprochen zu vereinnahmen. Sollten Wohlstand und Lebenserwartung weiter steigen, können die zugesagten Rentenzahlungen mathematisch – umgekehrt proportional – ohne staatliche Zulagen nicht mehr in der bisherigen Höhe erfolgen.

Risiken für die erwarteten Rentenzahlungen

Wenn Berufstätige sich dem sechzigsten Lebensjahr nähern, wird die Rente als statische Größe angenommen. Mit Akribie wird die persönliche Situation beleuchtet: Gibt es Pensionszusagen, auslaufende Verträge vom Lebens- und /oder Rentenversicherungen, Rücklagen auf Bankkonten oder Vermögenswerte aus Beteiligungen und Wertpapieren? Wann werden diese fällig?

Elterliche oder später selbst erworbene Häuser oder Eigentumswohnungen besitzen etwa 40% der Bevölkerung. Wie lange wollen Personen mit guter wirtschaftlicher Ausstattung noch arbeiten? Wenige Zahlen führen zu vielen Fragen bei der Saldierung. Wie hoch ist das Gesamtvermögen? Wie hoch wird die Versorgung sein, wenn der Ruhestand beginnt? Ein gesunder Menschenverstand, verbunden mit dem Mut zu Veränderungen, können Illusionen beseitigen. Das verbleibende Leben verläuft in der Regel anders als geplant (vgl. Looman, V.; FAZ – Der süße Traum vom baldigen Ruhestand_2018-09-11). Dabei hören sich die im August 2018 auf den Weg gebrachte Neuerungen nicht schlecht an. Arbeiten bis zum 67. Lebensjahr, Entlastungen für Geringverdiener – 270 € pro Jahr mehr laut neuem Rentenpaket.

Kosten

Primär ist die Wohnstatt zu beleuchten. Eigentum von Haus oder Wohnung können hohe Kosten verursachen, wenn sie in die Jahre kommen. Ein Mietobjekt kann eine bessere Kalkulation sichern. Bar- und Sachvermögen können sicherer kalkuliert werden, wenn keine unkalkulierbaren Anlagen des Graumarkts enthalten sind. Sollte „flüssiges“ Kapital aus Sicherheitsgründen zu lediglich einem Prozent pro Jahr angelegt werden, definieren sich zusätzliche Leistungen bei Rentenbeginn mit mathematischer Einfachheit. Entscheidend ist in welchem Umfang das angesammelte Kapital mit Stetigkeit vermindert werden soll, um die Lebensqualität zu erhöhen. Den Bogen zum Anfang dieses Absatzes gespannt, ist zu definieren in welchem Umfang das Vermögen zur Deckung von Kosten des Wohnens herhalten muss. Eigentum muss in nicht definierbarem Umfang  gepflegt werden.

Die Mentalität könnte Deutsche in Erwartung allfälliger Katastrophen wie Geldschwund und Pflegeheim motivieren das Weiterarbeiten anzustreben. Dazu sind ergänzend Berechnungen nötig. Heutige Vermögenswerte sind bis zum Rentenbeginn aufzuzinsen. Die Rente beginnt mit ihren Leistungen. Zinseinnahmen aus Festgeldkonten stellen keine Alternative zum Vermögensverlust dar. Nach Inflation sind die Geldanlagen von Deutschlands Sparern ein Verlustgeschäft – also nur für Rücklagen und nicht für die Altersversorgung geeignet.  Ruhestand will mit Klugheit vorgesorgt sein.  (vgl. Juretzek, R.; FAZ-2018-09-11). Die Ablaufleistungen der Kapitalversicherungspolicen könnten steigen, wenn für eine Verlängerung der Laufzeit optiert werden kann. Ein Wertpapier-Depot könnte stehenbleiben und mittelfristig weiter wachsen. Weitere Sparraten werden ein Zusatzvermögen bescheren. Der Körper bleibt angespannt und bei normalem Gesundheitszustand eine gute Lebensbeigabe.

Realzins

Als risikoarm wahrgenommene Anlagen haben einen hohen Preis. Der Realzins – der tatsächliche Zins für Spareinlagen nach Abzug der Inflation – lag im ersten Quartal 2018 bei minus 1,3 Prozent. Damit verloren Sparer in Deutschland in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres 7,1 Milliarden Euro oder 86 Euro je Kopf. Für Ruheständler ist diese Problematik noch verschärft, da Anleihen von soliden Unternehmen heute kaum Erträge generieren. Europäische Hochzinsanleihen, gerne auch als Junk Bonds bezeichnet, da sie auf der Risikoleiter nur knapp unter Aktien stehen, konnten Anfang 2018 nur bis zu drei Prozent pro Jahr erwirtschaften.

Es gibt solide Alternativen. Aktien sind „langfristig die mit Abstand rentabelste und gleichzeitig sichere Anlage“ sind. Mit Dividendenpapieren lassen sich Inflations- und Deflationszeiten unbeschadet überstehen, wenn langfristig und richtig investiert wird – was nicht einfach ist und sich im Zeitablauf  verändert. Jeder kennt mittlerweile das Schicksal der Witwen- und Waisenaktien Deutsche Bank, Eon, RWE und Telekom.

Investitionen sind über einen Anlagehorizont von 38 Jahren zu bewerten. Die Titelauswahl sollte Ausschüttungen von 4 Prozent pro Jahr ermöglichen. Jedes Unternehmen geht durch Korrekturphasen. Diese sind meist durch kurzfristige Probleme verursacht worden – oder durch eine Börsenkorrektur. Das neue Verbrauchsverhalten der jungen Generation und die auf dem Internet basierenden Technologien sollten bewährte Geschäftsmodelle unter Druck bringen.

Rente

Die Rente ist ungerecht. Die Jungen müssen zu viel zahlen, die Alten kriegen zu wenig Geld: Wer hat recht, und wie kann die Altersvorsorge künftig funktionieren? Die Rente birgt ein Dilemma –den Deutschen ist das bewusst. Als in einer Leseraktion Deutschlands Probleme hinterfragt wurden, tauchte die Rente so oft auf wie kein anderes Thema – bei alten wie jungen Lesern: „Das ist kein Umlagesystem mehr. Der Staat alimentiert auf Kosten der künftigen Generationen die Rentner. Das ist Ausbeutung der Jugend- und der Steuerzahler.“ Einige beklagen sich über die Höhe der Rente: „Die Rente wird weniger, muss versteuert werden und unterliegt einem demografischen Faktor.“

Eines ist schon mal sicher: Rentner in Deutschland können erwarten, dass sie deutlich mehr aus der Rentenkasse zurückbekommen, als sie eingezahlt haben. Altersrente bekommt man durchschnittlich rund 15 Jahre, da summieren sich die Auszahlungen. Insgesamt bringen die Rentenbeiträge eine Rendite von geschätzt zwei bis drei Prozent im Jahr, hat der unabhängige Sachverständigenrat der Wirtschaftsweisen ausgerechnet – für die Jahrgänge bis 1987 eher Richtung drei Prozent, für die jüngeren eher Richtung zwei Prozent (vgl. Bernau, P.; FAZ)

Viele Rentner stört emotional der Begriff Grundsicherung. Diese entspricht Hartz IV für Rentner. Wer aus dem System der gesetzlichen Rentenversicherung und anderen Altersvorsorgen nicht genug Rente bekommt, dass es nach politischer Definition zum Leben reicht, bekommt zusätzlich Steuergeld. „Die jetzige Spreizung bei den Einkommen ist einfach zu hoch“ (vgl. Hackethal, A.; Finanzprofessor – FAZ_2018-09-23). Mancher erzählt, dass seine Eltern lange Zeit im Arbeitsleben gearbeitet und nicht mehr als andere bekämen, die kürzer in die Rentenkasse eingezahlt haben.

Fazit

Von solchen Situationen sind nur wenige Rentner betroffen. Für viele Deutsche besteht die Altersvorsorge nicht nur aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Im Berufsleben wurden Pensionen aufgebaut oder in eine private Rentenversicherung eingezahlt. Mancher bekommt eine Betriebsrente, andere eine Witwenrente vom Ehepartner. Unter der Berücksichtigung von Aktivitäten der EU den Ruhestand in Deutschland erst ab dem 74. Lebensjahr zu akzeptieren, ist die Strategie des zusätzlichen Vermögensaufbaus das langfristig richtige Konzept. Trotz regelmäßiger Rentenbescheide weiß niemand, wie viel Geld er bei Zahlungsbeginn der Rente zur Verfügung haben wird. Mehr Transparenz und Informationen für jeden sind angesagt. Einige werden länger arbeiten müssen. Idealerweise geschieht dies auf einem Lohnniveau, das Luft für die Altersvorsorge lässt.