Traumberufe entwickeln sich – manche sterben aus, nachdem sie es wie Banker Jahrzehnte waren.                   Technologien lassen Bankfilialen sterben und in die Türme der Banken ziehen Computer ein.

Fiktionen verkaufen sich gut an den grauen Finanzmärkten zu Lasten von Anlegern und Bankern. Kryptowährungen werden eher gesucht als die qualifizierten Beratungen der Spezialisten des Bankinstituts. Nachdem Anleger in den letzten Jahrzehnten in Sparbücher, Aktien- und Mischfonds investiert haben, wollen sie eigene Unsicherheiten vertuschen, indem sie nach Highlights suchen, die ihnen wachsenden Geldsegen versprechen. Investitionen in Bitcoins werden zwischen solider Anlageform mit Wertzuwachs und spektakulärem Verlustkonzept beurteilt. Nun wird der Banker gefragt – und wehe, er hat Bedenken! Dann wird er als altmodisch missachtet und das Bankinstitut verurteilt, weil es ihn noch beschäftigt.

Investoren hatten vor der Tulpenkrise im 17. Jahrhunderte die gleiche Einstellung. Fachleuten der Vorjahre wurde misstraut. Ihnen wurde unterstellt, dass sie den Investoren, nicht als Spekulanten, das zu verdienende Geld nicht gönnten. Die Tulpenmanie führte zu einem der größten Crashs der Weltgeschichte. Der goldige Glanz der Bitcoins klingt dagegen trist. Berater gab es damals wie heute (vgl. Rogoff, Kenneth – Harvard University: This Time is Different). Banken informierten damals über die Erwartungen von Tulpen wie heute von Bitcoins. Wie damals gab es verschieden bewertete Arten wie heute unterschiedliche Kryptowährungen.

Erwartung

Der Zwang der Banker zu Anstand soll ihre Ethik analog zu Ärzten gemäß dem Eid des Hippokrates bestimmen. Von Bankern wird das erwartet. Es taugt aber nicht, wenn die zu Beratenden Vorgaben für Ihre Erwartungen pflegen. Wenn das eigene Portemonnaie einbezogen wird, werden sich Banker und Finanzjongleure um die Folgen ihres Handelns kümmern. Dabei stellt sich die Frage, ob die Banker gefragt werden. Welche Antwort sie auch immer geben werden: Sie sind am Ende der Krise an dem finanziellen Desaster ihres Kunden schuld – wegen des Versäumnis des Gewinns oder des Verlusts, den sie nicht vermieden haben.

Der Kampf zwischen Beharrungskräften und Veränderungswille scheint nicht ausgefochten zu sein. Kontrovers wird die Notwendigkeit eines ethischen Wandels in der Finanzbranche diskutiert. Die Frage, wie eine Berufsethik für Banker aussehen müsste, ist kompliziert. Ein klassisches Beispiel der Berufsethik stammt aus der Medizin, seit Jahrtausenden kodifiziert im Hippokratischen Eid. Obwohl dieser heute keine Rechtsverbindlichkeit mehr beinhaltet, ist klar, dass die Gesundheit und im Ernstfall das Leben von Patienten, heute Kunden, auf dem Spiel steht (Herzog, Lisa; Professorin für Politische Philosophie, TU München).

Erziehung

Die Erziehung der Banker geht oft auf die Lebensauffassung der Eltern – oft selbst Banker – zurück. Da Kinder mindestens ebenso gut sein müssen wie ihre Eltern, wird Karriere erwartet. Früher reichte die Banklehre mit gutem Abschluss, um alle Ziele zu erreichen. Heute ist der Markt enger: Ein sehr guter Studienabschluss wird verlangt. Bei der heute erforderlichen internationalen Kompetenz ist das nicht mehr der Diplomkaufmann, auch nicht der Master of Science oder …Arts, sondern der Master of Business Administration (MBA). Der wird bei der BaFin von promovierten Juristen zusätzlich erwartet. Der Verfasser hat in der Hochschule einige promovierte Akademiker zum MBA geführt. Drunter „spielt sich nichts“ ab.

Das bedeutet für bisher als Bankkaufleute Ausgebildete, dass sie außerhalb der Finanzmetropolen Europas (Dublin, Frankfurt, Paris, Zürich) auf die Suche nach neuen Berufen gehen müssen. Die dann erforderlichen Bewerbungen spielen sich in neuen Bereichen außerhalb von Banken ab und fordern Belege über Kenntnisse und Handhabung von Ethik.

Der Geschmack von Bankkunden ist dann nicht gefragt. Die stürzen sich in digitale Empfehlungen. Fonds jeder Art aus dem Internet werden bevorzugt, denn deren Wert wird als durchschaubar definiert. Viele Menschen – bevorzugt Deutsche – leben mit der Vorstellung, dass sie stündlich in der Gesamtheit über ihr Vermögen verfügen können müssen, von dem sie glauben, es sei durch das Internet garantiert – ohne Verlustgefahr natürlich!

Bankfilialen

Die Bankfiliale ist „out“ – auf dem Weg am Automaten Bargeld holen? Das geht auch woanders. Die Banker hinter den Schaltern werden nicht gefragt, sofern sie noch da sind – in Anklam oder Aurich. Das geringere Arbeitsplatzangebot steht im Widerspruch zur wirtschaftlichen Situation in anderen, bisher von Banken benötigten Branchen, dem IT-Business, der Finanzbranche mit verwandten Dienstleistungen für Börsengeschäfte und Versicherungen. Das führt zur Umkehr der Gedanken:

Wer will noch in eine Branche, in der seit Jahren von Skandalen und Krisen die Rede ist, in der nicht mal mehr die Gehälter in den Himmel wachsen? (Kanning, Tim; FAZ – 2017-10-28). Eltern von ausbildungswilligen Kindern haben das verstanden. Die Folge ist, dass ca. 40% weniger Lehrverträge für Bankkaufleute abgeschlossen werden. Das sagt viel über den Strukturwandel in der deutschen Bankenlandschaft. Lässt sich bei den Verbliebenen die versprochene Ethik als Konzept des Glaubens in eine an Vertrauen orientierte Leistung zum Wohle Dritter bewahren? Das Tätigkeitsfeld ist und bleibt nicht die Bereitstellung von direkt nutzbaren Gütern und Dienstleistungen, sondern der Handel mit Finanzprodukten, der Metaebene des Marktgeschehens (vgl. Herzog ebda.).

Digital

Vorgaben und Leistungen sollen jetzt digital angeboten und gefordert werden. Bei Geld und dessen Verwendungen bzw. Anlagen war das von Bankkunden zuletzt erwartet worden. Das eigene Vertrauen war – oder ist es noch – Grundlage der Zusammenarbeit mit Bankinstituten, sofern dazu noch Gelegenheit besteht. Zunächst wurde bei Filialen auf dem Land der Rotstift angesetzt, den dort tätigen Bankern nahegelegt sich in einer Großstadt zu bewerben oder am Ort eine andere Aufgabe zu suchen. Wessen Ethik ist nun gefragt? Bankkunden wollten dem Institut für immer treu bleiben – mit weniger Zweifel als in der privaten Partnerschaft. Banker wollten ihre Kunden über Jahre betreuen – das ist technisch nicht mehr möglich. Das Institut selbst muss an seine Zahlen denken, die der gleiche Kunde bei der nächsten Hauptversammlung hinterfragen könnte.

Problematische Ergebnisse entstehen, wenn verschiedene Ziele, wie fachliche Erfolge, berufliche Anerkennung finanzieller Erfolge und ethische Zielsetzungen auseinanderklaffen. Es ist eine Frage der umgebenden Institutionen, kultureller Normen und der Verteilung beruflicher Anerkennung, ob Berufstätige „integrierte“ Situationen erleben oder nicht (Parsons, Talcott – 1939 zur Definition einer „integrierten Situation“). Gemäß der Logik der „integrierten Situation“ müssen ethische und kulturelle Standards auf Basis finanzieller Anreize Einzelne zur Verantwortungsübernahme drängen. Wer detailliertes Wissen und Erfahrung mit Finanzprodukten hat, müsste Interesse daran haben, dass dort keine Entwicklungen entstehen, die zu ethischen Problemen führen.

Der Kreis schließt sich mit den Fragen, ob Ethik von den meisten Bankern gewollt oder gefordert wird und ob sie Gelegenheit erhalten, diese Vorstellung als Banker auf der Suche nach der Berufung erfüllen zu können.