Die ETF-Sparte des Vermögensverwalters BlackRock wächst am Aktienmarkt. Deren Führung glaubt an das Potenzial von Investmentfonds. Wie ist die Zukunft zu bewerten?

Die Frage wird ungern gehört: Können ETFs eine Gefahr für die Finanzstabilität sein? Entwickelt sich der amerikanische Aktienmarkt nur wegen der Beliebtheit von ETFs so gut? In Aktienindex-Produkten sind Elf Billionen Dollar erfasst. Doppelt so viele sind in aktiv verwalteten Aktienfonds, das Vierfache in Einzelaktien zu finden. Ein Drittel der Index-Produkte sind  ETFs. Am Aktienmarkt repräsentieren ETFs gerade mal fünf Prozent (Wiedman, M.; BlackRock – 2018-08-03).

Beim Vermögensverwalter BlackRock werden die ETFs iShares genannt. Klassische Indexfonds im S&P-500 oder DAX sind davon nur ein kleiner Teil. Dennoch bestimmen ETF-Investments die Entwicklung der Aktienkurse. Verwaltete Fonds, Terminkontrakte und Einzelinvestments tun dies analog.

Statistiken

Statistiken zeigen die Entwicklung des verwalteten Vermögens von BlackRock im Zeitraum der Jahre von 2010 bis 2017. BlackRock, Inc. ist der weltgrößte Vermögensverwalter. Das US-amerikanische Finanzunternehmen mit Hauptsitz in New York City ist in der Vermögens- und Risiko-Verwaltung tätig. Gegründet im Jahr 1988, ist BlackRock seit 1994 ist auch in Deutschland als Finanzdienstleister mit einer Niederlassung vertreten. Ende des Jahres 2017 verwaltete die Fondsgesellschaft etwa 6,3 Billionen US-Dollar.

Ein Investment-Ansatz findet sich mit den ETFs nicht in der Form, dass damit anderen Produkten der Rang abgelaufen würde. ETFs sind Bausteine eines Portfolios, mit denen in verschiedenen Märkten investiert werden kann. Dies können sie gezielter und günstiger erreichen (vgl. Wiedmann ebda.). Das Investieren nach den Indices fördert nicht das Wachstum der Branche. Es zeigt seine Resultate durch Anlagen in ETFs. Im Jahr 1976 wurde der erste Indexfonds aufgelegt. Der erste ETF folgte 1993.

Dieser unterscheidet sich von einem klassischen Fonds durch seine Ideen und Konzeptionen auf der Basis von Regeln. Das Finden der besten Werte ist die Aufgabe – ohne zu wissen, was die besten sind. Mit flexiblen Werkzeugen wird der Zugang zu Märkten und Sektoren angegangen (vgl. Wiedmann ebda.).

Ansatz von BlackRock als seriöse Investitionsplanung?

Seit den 60er Jahren haben sich in Deutschland Unternehmen herangebildet, die – vom Ausland ausgehend – Aktien und Geldforderungen wie Wandelanleihen als Fonds angeboten haben. Viele Menschen haben dort als Highlight ihres Lebens die Vermögenswerte konzentriert, von denen sie Sicherheit durch Streuung in Werte aus dem Dow-Jones, später anderer internationaler Indices erwarteten. Auf einen der ersten Fonds aus den 30er Jahren und dessen Erfolge – Enterprise – wurde gern verwiesen.

Die Trennung zwischen damals aktiven (verwalteten) Fonds) und dem heutigen passiven Investieren (ETFs) kann am Kern der Sache vorbeigehen. Jede Portfolio-Entscheidung soll aktiv sein. 90 Prozent der Rendite und mehr werden durch die Strukturen, nicht durch die Auswahl der Titel bestimmt. Deshalb kann die kostengünstige Umsetzung über Index-Investments sinnvoll sein. Das soll zentraler Blickwinkel der Investoren sein. Kann dieser Blickwinkel unterstellt werden?

Je größer das von BlackRock verwaltete Vermögen wird, desto eher können Abhängigkeiten durch Realisierung von privaten Interessen entstehen. Das erfolgt fern der Digitalisierung bevorzugt mit analog bestimmten Interessen.

Investment

Es geht nicht darum, dass in Produkte (z. B. Aktien) mit den größten Chancen investiert wird. Ziel soll ein möglichst effizientes Gesamtportfolio sein. Das Kostenbewusstsein wird von der verschärften Regulierung bestimmt, die für Transparenz gesorgt hat. Nach den von BlackRock propagierten Thesen spiele das ETFs in die Hände. Gegenüber Terminkontrakten entstände Überlegenheit. Die Kostendifferenzen schwankten laut BlackRock. S&P-500 bezifferte den Vorteil letzt auf 96 Prozent. Voraussetzung ist neutrales Vorgehen.

In anderen Betrachtungen sollen ETFs das Wirtschaftssystem bedrohen (vgl. Studie Investmentbank Bernstein). Firmen hätten keine Anreize mehr, gut zu wirtschaften. An dieser  Studie gibt es auch Kritik. Ein Trend an den Finanzmärkten soll den Kapitalismus gefährden. In der Kritik steht BlackRock als größter Vermögensverwalter der Welt. Das Volumen des von BlackRock in Kapitalanlagen gebundenen Kapitals kann bei gezielten Einsätzen die Weltwirtschaft gefährden.

Dabei gehen die Risiken weniger von digitalen Strukturen als analog von den Interessen von Menschen aus, die heute noch gar nicht beruflich tätig oder anderweitig engagiert sind.

Vergleichbare Risiken der letzten Jahrzehnte

Bei Betrachtung der über zwölf Jahre mit großem Erfolg tätigen IOS, Genf, wurde der Beginn der Finanzkrise von 1970 der Ausgangspunkt des wirtschaftlichen Desasters. Die Fonds sollten neutral geschützt sein. Das waren sie bis neue Beteiligte der Gesellschaft begannen in eigene Interessen zu investieren. Sachwerte wurden aus den dann offen zugänglichen Vermögensdepots gestohlen. Das Volumen der Anlagen bei BlackRock repräsentiert ein Vielfaches des damaligen Volumens der IOS. Deshalb ist es umso mehr abhängig von möglichen Fehlleitungen, auch gewollten falschen Entscheidungen.

Es ist durchaus möglich, dass die Finanzen der Welt aus dem Gleichgewicht kommen, wenn die Verschuldung der USA extern nicht mehr akzeptiert wird, China als einer der größten Gläubiger seine dem amerikanischen Staat geliehenen Gelder fällig stellt. Dann bedarf es bei BlackRock keiner Fehlentscheidungen für das Desaster. Die Finanzmärkte sind schon für viele Missstände in der Welt verantwortlich gemacht worden. Die hektischen Börsen würden die Manager zu gierigen, kurzfristig denkenden Marionetten degradieren, die Ungleichheit in der Welt erhöhen und die Volkswirtschaften wegen des Auf und Ab mit immer heftigeren Krisen überziehen.

Dies wird mit einem Vorwurf gesteigert:

BlackRock ist auch dann eine ungeheure Marktmacht, wenn sie gar nicht aktiv genutzt wird. Einen Großteil des Geldes steckt das Management in passive Produkte. Im BlackRock-Universum zählt iShares als größter Dax-Indexfonds. Die Märkte könnten das kapitalistische System ruinieren und zu einer Gleichschaltung der Ökonomien führen. Die wirtschaftlichen Folgen seien schlimmer als die des Marxismus. Wohlstand und Fortschritt sind dann in Gefahr.

Ausgelöst wurde die Debatte von einem Universitätsprofessor und einer globalisierungskritischen Gruppe. Das Thema hat die Investmentbank AnzeigeBernstein aufgebracht. Unter Titel „Der Weg in die Leibeigenschaft: Warum passives Investment schlimmer als der Marxismus ist“ erklären die Autoren, welche Folgen der Trend zum ETF als passives Anlageprodukt an den Finanzmärkten hat.

An der Wall Street schlagen die Experten des Finanzhauses Bernstein „hohe Wellen“. Im Zentrum der Kritik steht der Hinweis auf die Anlagefirma BlackRock. Politische Bindungen gibt es ebenso wie Ende der 60er Jahre in Deutschland mit dem FDP-Chef Erich Mende. Immer mehr deutsche Sparer packen ihr Geld in ETFs, die einen bestimmten Index eins zu eins abbilden – etwa den Deutschen Aktienindex (DAX). Bei diesen Investments sucht kein Manager nach guten Unternehmen, sondern das Geld wird automatisch in ein Börsenbarometer investiert.

Kostenstrukturen

Die neue Bedeutung des Themas Kosten wird die Finanzindustrie verändern. Es wird von BlackRock unterstellt, dass Kunden in einigen Jahren für die Beratung direkt bezahlen werden. Mit Finanzprodukten allein wird für den Vertrieb nicht mehr genug zu verdienen sein, da die produktgebundenen Gebühren zunehmend unter Druck geraten. Heute betragen die Produktkosten für vermögende Anleger etwa 1,5 Prozent jährlich. Davon erhält das Finanzinstitut zwei Drittel. Künftig dürfen sie direkt ein Prozent an ihren Berater zahlen. Die Produkte selbst würden günstiger (Wiedman ebda.).

Der Weg wird durch BlackRock vorgezeichnet. In Briefen an die Vorstände großer Unternehmen wurde der zukünftige Kurs der Fondsgesellschaft formuliert. BlackRock möchte in Zukunft mehr Einblick in die Führung von Unternehmen erhalten, in die der Asset Manager investiert (vgl. Fink, Larry; CEO BlackRock). Auch die Vorstandsvorsitzenden der deutschen DAX-Konzerne wurden informiert. Dabei könnte die Angst vor Kurswechseln die Volatilität anheizen. Seine Mahnung: Unternehmen hätten heute weitreichende Aufträge. Sie sollten nicht nur kurzfristig zufriedenstellende Ergebnisse erwirtschaften, sondern müssten unterschiedliche Interessengruppen langfristig binden – darunter die Aktionäre.

Das sind die Ausgangspunkte von Gefahren, wie sie vor etwa 50 Jahren die IOS kennengelernt hat (s. vorangegangene Ausführungen!). Mit den heutigen Zahlen konfrontiert, werden die Geschehnisse staatlich relevante Probleme aufzeigen. Im folgenden Fazit wird auf die Gefahren für Anleger und den Finanzmarkt hingewiesen.

Fazit

Nur noch 1,7 Billionen der 6,3 Billionen US-Dollar, die BlackRock verwaltet, sind in aktiv gemanagten Fonds angelegt. Das Gros der Summe liegt in Indexfonds. Es dürfte nicht schnell abgezogen werden. Große Unternehmen seien in der Pflicht, ihre Unternehmensführung auf ein langfristiges Wohlergehen auszurichten. BlackRock will sein Engagement nicht mehr auf die Abstimmungen auf jährlichen Aktionärsversammlungen beschränken. In Zukunft will das Institut als aktivistischer Aktionär auftreten – als Anteilseigner, der sich aktiv in strategische Belange von Unternehmen einmischt. Dafür rüstet sich BlackRock personell.

Das Unternehmens-Management solle stets in der Lage sein, Groß-Aktionären wie Blackrock ausführlich Rede und Antwort auch in detaillierten Fragen zur Unternehmensführung und dem zukünftig angepeilten Kurs zu stehen. Auch wie sie auf neue Steuerregimes oder veränderte Gesetzgebung langfristig reagieren wollen, sollten Unternehmen ihren Aktionären jederzeit erklären können (vgl. Fink ebda.).

Deutschland

In Deutschland werde das länger dauern. Es besteht ein Mix aus Portfolio- und Produktgebühren. ETFs bieten hier keine Vertriebsvergütungen, so dass sich Berater lange Jahre auf andere Produkte konzentriert haben. Die Anzeichen weisen auf steigende Nachfrage von Privatanlegern hin. Der Trend zu einheitlichen Honoraren wird bei vermögenden Anlegern dazu führen, dass ETFs einen Schub erhalten (vgl. Wiedman ebda.).

Privatbanken können in Zukunft kosteneffiziente Lösungen entwickeln. Auch verwaltete Fonds sind Bausteine für ein effizientes Portfolio. Wenn Anleger der Ansicht sind, mit einem aktiv gemanagten Fonds nach Abzug aller Kosten besser zu fahren, werden sie diese kaufen. Verwaltete Fonds sind gegenüber ETFs im Nachteil, weil sie teurer sind. Die Katastrophe kann die nicht mehr zu bremsende Einflussnahme von BlackRock auf den Finanzmarkt sein.

Vergleichbare Finanzunternehmen werden sich in der Konsequenz bilden. Das Desaster der IOS wird aus heutiger Sicht ein Kinderspiel sein. BlackRock ist eine gefährlich operierende Firma (vgl. Icahn, Carl; Großinvestor).